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Galaxy Trucker: 13 Jahre und immer noch top!

Als der kleine BRETTSPIELER fasziniert auf das Cover der Messe-Spezialausgabe der „spielbox“ starrte und fragte, was das für ein Spiel sei und schon jedes Detail der Graphik analysierte (Da fliegt ne Kanone ab! Da ist ein Alien!…), dachte ich so, ja, das war echt schön. Das muss doch hier irgendwo im Regal stehen! Durch die Neuauflage rückt dieses 13 Jahre altes Meisterwerk nun also wieder in den Fokus. Dank der tollen Symbolik muss man auch nicht zwingen lesen können, um es zu spielen, also ab auf den Tisch damit. Die Bauregeln sind zwar einfach, aber natürlich muss man wissen, was einem beim späteren Flug durchs Weltall erwartet und wie man die Elemente sinnvoll anordnet und das möglichst schneller als die Mitspieler. Letztlich habe ich dem kleinen BRETTSPIELER 5 Minuten Bauvorsprung gelassen und etwas geholfen, aber das klappte dann ganz gut und er war völlig begeistert und seine Performance wurde von mal zu mal besser. Tatsächlich ist die BRETTSPIELERIN nicht gerade für ihre Vorliebe für Hektikspiele bekannt. Erst die supertolle App, bei der auch ein rundenbasierter Bauansatz möglich ist, brachte bei mir den Durchbruch. Dabei bekommt jeder 10 Aktionspunkte (Aufdecken eines Plättchens 1 Punkt, einbauen 2 Punkte, einen Kartenstapel aufdecken je nach Runde 3 bis 5 Punkte), der Startspieler in der ersten Runde nur 7. Bis zu 3 Punkte darf man sich für die nächste Runde aufbewahren. Klar, das Spiel ist darauf ausgelegt, durch die Hektik und Konkurrenz beim Bauen eben KEIN perfektes Schiff bauen zu können, aber wer so perfektionistisch veranlagt ist wie die BRETTSPIELERIN, dem tun offene Rohrverbindungen einfach weh.

Rückblickend muss man sagen, dass das Spiel damals einfach sehr innovativ war. Eine wirklich humorvolle Anleitung, eine sich steigernde Schwierigkeitsstufe und tolles Material, gekrönt von einer App, die auch schon viele Jahre die Galaxy-Trucker-Fans erfreut.

Sehr viel Neues scheint die zweiten Auflage nicht zu bieten, muss auch nicht sein. Das Argument, dass das Spiel jetzt kürzer geworden ist, ja, okay. Früher konnte man die Vollversion abkürzen, indem man nur ein oder zwei Raumschiffe gespielt hat, heute spielt man das kleine Schiff und kann auf die größeren erweitern. Auch gut.

Die BRETTSPIELERIN zeigt sich unkooperativ!

Direkt vorab um Missverständnissen vorzubeugen: Die BRETTSPIELERIN spielt gerne kooperative Spiele. Nur sie ertappte sich auf ihrem letzten ausgiebigen Spielewochenende beim Gedanken: „Oh, nein, nicht noch ein Kooperatives!“. Wie konnte es soweit kommen? Eins steht fest, Koops liegen voll im Trend. Die Messe war voll davon und spätestens seit Pandemie finden sie sich zahlreich im Spieleregal wieder. Und es gibt wahrlich tolle Spiele aus diesem Genre (von der BRETTSPIELERIN ja genauso zahlreich gelobt…sie sagt nur Flashpoint, Andor und Hanabi). Das Erste, an das sie sich bewusst erinnert, war der Herr der Ringe aus dem Jahr 2000…man, lang ist´s her! Interessant waren dann auch kooperative mit „Verräter“, sozusagen dem Salz in der Suppe (oder eher demjenigen, der in selbige spuckt?). Zum einen beim Kassenschlager Schatten über Camelot als Variante oder noch besser und vor allem gruseliger beim Betrayal at House on the Hill. Mmh, auch echt lange nicht mehr gespielt, aber die Regel wieder lernen, oh oh, das könnte in Arbeit ausarten. Schade drum. Fragt die BRETTSPIELERIN nicht, ob das mit der Neuauflage von 2010 besser geworden ist. Die Spieler sollten auch des Englischen mächtig sein, sonst weiss der böse Geist eventuell gar nicht, was er zu tun hat. In dieser netten Horrortradition findet sich auch das Koop Villen des Wahnsinns wieder, nur mit hübscheren Geistern und Monstern natürlich. Atmosphäre ist alles!

Gerne mag die BRETTSPIELERIN auch das „Stressspiel“ Space Alert, bei dem die Mannschaft auf Zeit versucht, irgendwie ihr Raumschiff heil durch das All zu steuern. Echt schwer. Der Vorteil: es bleibt nicht genug Zeit, dass einer meint, er könnte einem die Ohren volllabern, was man zu tun und zu lassen hat. Wenn einer nicht mitdenkt, dann wird garantiert das falsche Knöpfchen auf dem Schaltpult des Schiffs gedrückt und dann…puff. Aber wir schweifen ab. Zurück zum Problem der Übersättigung an Koops. Die BRETTSPIELERIN gesteht, nach dem dritten Koop hintereinander reicht es ihr. Dann will sie wieder konfrontativ spielen, BRETTSPIELER gegen BRETTSPIELER und nur EINER kann gewinnen und dieser EINE ist nicht das SPIEL, sondern ein SPIELER. Der heisst dann Gewinner. Jaja, irgendeiner verliert dann auch mal, aber so ist dann halt das Leben. Das macht einen hart. Naja, nur Spaß, so ganz ernst nehmen wir das dann auch nicht ;-).

Der letzte Auslöser einer Koop-Frustration war Robinson Crusoe, Essen-Neuheit 2012. Robinson hatte es wirklich schwer. Und unsere kleine Robinson-Schicksalsgemeinschaft erst recht. Bereits wenige Minuten nach der sehr umfangreichen Regelerklärung, brachte ein Robinson sein Unbehagen vor, die Insel weiter zu erkunden. Die Stimmung auf der Insel sank in den Keller, die Moral war geschwächt, was auch an der entsprechenden Leiste auf dem Spielplan abzulesen war. Wir mussten gefrustet aufgeben. Da vergeht einer BRETTSPIELERIN die Laune auf Koop ganz ordentlich.

Eine andere Idee fasziniert die BRETTSPIELERIN derzeit. Nämlich ein Spiel gegeneinander UND gegen das Spiel wie beim neuen Archipelago. Natürlich gab es das schon mal. Der BRETTSPIELERIN fällt da spontan Comuni von 2008 ein, wo man für die äußere Verteidigung der Stadt als Gruppe von Zeit zu Zeit mal etwas investieren musste. Trotzdem reizt die BRETTSPIELERIN Archipelago mehr. Vielleicht wegen des Mechansimus wie sich die Rebellen formieren. Je mehr man vom Archipel entdeckt, desto mehr Eingeborene werden zu Arbeitslosen. Bevor die Europäer kamen, wussten die Arbeitslosen ja nicht, dass sie arbeitslos sind. Sie waren einfach da und haben aus dem Dschungel gelebt. Gibt es zu viele Arbeitslose und sind die Märkte überfüllt, weil man das Land ordentlich ausgebeutet hat oder treibt man zu viel Steuern ein, dann werden die Arbeitslosen eben aufmüpfig und fangen an zu rebellieren. Und eh man sich´s versieht, ist das Spiel verloren. Autsch. Da nutzt einem das ganze Geld und die ganzen Siegpunkte nix. Das SPIEL gewinnt. Interessant, wenn auch sicher noch nicht die Spitze dieser Art von Spiel. Die wird sicher noch kommen. Die BRETTSPIELERIN wartet sehnlichst darauf.

Eins hat aber schon seit Doppelkopf und Pärchen-Canasta seinen Reiz: Das Teamspiel. Meist im Kartenspielbereich beheimatet (Tichu nicht zu vergessen…). Ist das vielleicht die perfekte Kombination aus Kooperation und Konfrontation? Vielleicht erleben wir ja auch mal ein großes Revival des Teamspiels über DOG hinaus… .