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Ein Messetag

07.10.2022, 8.31 Uhr: Eine BRETTSPIELERIN steigt aus ihrem wohltemperierten Kfz, das dank des preisgünstigem, koreanischen Autoherstellers über Sitz- und Lenkradheizung verfügt. Der Parkplatz ist kostenlos, erfordert aber einen Fußmarsch mit tonnenschwerem Rucksack (okay, 3 kg Getränkeflaschen, zwei karge Brotscheiben und Müsliriegel) durch die morgendliche Kälte (okay, 8 °C). Äußerlichen Schutz bieten immerhin eine Sommerhose und eine Sweatjacke.

8.43 Uhr: Ankunft an einem Eingang der Messe. Die BRETTSPIELERIN kann sich seit Jahren nicht merken, welcher jetzt Ost, West, Nord oder sonst was ist. Einfach der EINE Eingang halt. Gemütliche Sitzposition in einer dreckigen Ecke eingenommen. Warten. Die BRETTSPIELERIN beobachtet gleich zweimal, wie Leute sich die Maske zum Niesen vom Gesicht nehmen…??? Man muss sein wohlgehütetes Schätzchen wohl schonen. Wäre ja schon ein Ding, wenn die dreckig würde. Tipp zur allgemeinen Gesunderhaltung: öfter mal wechseln!

9.50 Uhr: Die Menge rückt ein Stück nach vorn, weil irgendeiner meint, es ginge schon los. Schade, falscher Alarm.

10.00 Uhr: Einlass. Zügigen Schrittes zu Lookout. Termin für Atiwa gemacht. Dann weiter zu Asmodee, um dort Planet B zu spielen. Drei Tische zur Auswahl. Setze mich zu zwei netten Schweizern. Das war ja einfach.

Nachtrag: Ich möchte kein Lama mehr sein.

11.00 Uhr bis 13.00 Uhr: Herumrennen und Pause machen. Anfrage für Spielkauf an die Zentrale zuhause. Genehmigt.

13.00 bis 14 Uhr: Atiwa an Tisch drei. Wieder nette Mitspieler. Nach fünf Runden Endabrechnung vorgenommen: 43 zu 42 zu 41 zu 40 Punkte. Okay. Bin beeindruckt vom ungewöhlichen Thema Flederhundflattermäuse. Flughunde natürlich. Muss man erstmal drauf kommen. Fazit: Typischer Rosenberg, diesmal mit Tableau zum Freispielen, macht Spaß. Kauft das jemand und lässt mich nochmal mitspielen?

15.15 Uhr: Bekannten getroffen, der auf dem Weg zum Vortragsraum des Educator´s Day ist. Hatte ich bisher nicht beachtet, bin ja keine Pädagogin. Schaue mir den Flyer an und beschließe ggf. zum 17.00-Uhr-Vortrag „Die können ja gar nicht würfeln!“ zu gehen, wenn es die Zeit zulässt.

16.45 Uhr: Beine tun weh, also ausruhen beim Vortrag angepeilt.

17.00 Uhr: Christina Valentiner-Branth erzählt von Ihrer Mission, das Brettspiel in die Bildungseinrichtungen zu bringen. Hört sich bei ihr nur nicht langweilig an. Sehr offen und ehrlich. Tolle Beispiele. Gefällt mir. Wirbt für die von ihr erdachte „Fachkraft für Gesellschaftsspiele“, ein Zertifikat ihrer Brettspielakademie. Der Ansatz, diesem Unterfangen einen professionellen Anstrich zu geben, gefällt mir auch. Sehr amüsant vorgetragen und absolut keine Zeitverschwendung. Bedauere, wie stiefmütterlich das Thema Brettspiel an der Schule des kleinen BRETTSPIELERS behandelt wird**. Der Kindergarten war Gold dagegen. Wenn ich in der Lage wäre, stressfrei mehr als drei Kinder gleichzeitig zu betreuen, würde ich sofort mit einem Projekt loslegen (zur Info: ursprünglicher Berufswunsch der BRETTSPIELERIN: Egal, alles, nur NICHT Lehrerin und NICHT Ärztin).

18.00 Uhr: Verzweifelt den Stand der „Hidden Games“ gesucht, an dem ich schon viermal vorbeigelaufen war. Endlich gefunden. Promo-Mordfall (hoffentlich) richtig gelöst. Ich warte auf das Päckchen mit dem Gewinn*.

18.30 Uhr: Glücklich, aber erschöpft zum Auto zurückgeschlürft. Bis morgen, Messe!

*Zweiter Nachtrag: Bei Hidden Games leider nichts gewonnen, aber mit Begeisterung die neuen Werke gespielt. Wieder mal tolle Aha-Momente erlebt, wenn die einzig mögliche Lösung im Kopf aufploppt. Weiter so!

**Noch ein Nachtrag: An der Grundschule des kleinen BRETTSPIELERS wird als Vorbedingung angegeben, dass die Kinder zur Einschulung in der Lage sein sollen, ein Würfelspiel zu spielen. Es gibt also noch Hoffnung.

 

Galaxy Trucker: 13 Jahre und immer noch top!

Als der kleine BRETTSPIELER fasziniert auf das Cover der Messe-Spezialausgabe der „spielbox“ starrte und fragte, was das für ein Spiel sei und schon jedes Detail der Graphik analysierte (Da fliegt ne Kanone ab! Da ist ein Alien!…), dachte ich so, ja, das war echt schön. Das muss doch hier irgendwo im Regal stehen! Durch die Neuauflage rückt dieses 13 Jahre altes Meisterwerk nun also wieder in den Fokus. Dank der tollen Symbolik muss man auch nicht zwingen lesen können, um es zu spielen, also ab auf den Tisch damit. Die Bauregeln sind zwar einfach, aber natürlich muss man wissen, was einem beim späteren Flug durchs Weltall erwartet und wie man die Elemente sinnvoll anordnet und das möglichst schneller als die Mitspieler. Letztlich habe ich dem kleinen BRETTSPIELER 5 Minuten Bauvorsprung gelassen und etwas geholfen, aber das klappte dann ganz gut und er war völlig begeistert und seine Performance wurde von mal zu mal besser. Tatsächlich ist die BRETTSPIELERIN nicht gerade für ihre Vorliebe für Hektikspiele bekannt. Erst die supertolle App, bei der auch ein rundenbasierter Bauansatz möglich ist, brachte bei mir den Durchbruch. Dabei bekommt jeder 10 Aktionspunkte (Aufdecken eines Plättchens 1 Punkt, einbauen 2 Punkte, einen Kartenstapel aufdecken je nach Runde 3 bis 5 Punkte), der Startspieler in der ersten Runde nur 7. Bis zu 3 Punkte darf man sich für die nächste Runde aufbewahren. Klar, das Spiel ist darauf ausgelegt, durch die Hektik und Konkurrenz beim Bauen eben KEIN perfektes Schiff bauen zu können, aber wer so perfektionistisch veranlagt ist wie die BRETTSPIELERIN, dem tun offene Rohrverbindungen einfach weh.

Rückblickend muss man sagen, dass das Spiel damals einfach sehr innovativ war. Eine wirklich humorvolle Anleitung, eine sich steigernde Schwierigkeitsstufe und tolles Material, gekrönt von einer App, die auch schon viele Jahre die Galaxy-Trucker-Fans erfreut.

Sehr viel Neues scheint die zweiten Auflage nicht zu bieten, muss auch nicht sein. Das Argument, dass das Spiel jetzt kürzer geworden ist, ja, okay. Früher konnte man die Vollversion abkürzen, indem man nur ein oder zwei Raumschiffe gespielt hat, heute spielt man das kleine Schiff und kann auf die größeren erweitern. Auch gut.

Haptik des Wandels – die neue Ausgabe der „spielbox“

Nun ist vor eine Weile die neue spielbox ins Haus geflattert. Eine Zeitschrift, in deren Abo die BRETTSPIELERIN quasi eingeheiratet hat und die seit Jahrzehnten die Spielenerd-Infoquelle schlechthin ist. Auf den ersten Griff war der BRETTSPIELERIN klar, da ist irgendetwas anders! Ja, das Papier fühlt sich irgendwie „rau“ an -komisch-, Hochglanz Fehlanzeige? So ökologisch und haptisch gut in Szene gesetzt, kann man dem Editoral entnehmen, dass Matthias Hardel als Chefredakteur abgedankt hat und Andreas Becker nun den Posten übernimmt. Auch das Layout wirkt etwas „anders“, wenn auch ohne den Wiedererkennungswert zu gefährden und einige neue Namen finden sich bei den Rezensenten wieder. Vor allem wurde die Anzahl an Rezensentinnen (ohne „*“ an dieser Stelle) dramatisch erhöht, was eine BRETTSPIELERIN natürlich sehr freut.

Fakt ist, ich habe die spielbox schon seit Längerem immer nur kurz durchgeblättert (allerdings öfter das Editoral von Herrn Hardel gelesen) und der BRETTSPIELER ist auch nicht immer zum Lesen gekommen. Das mag zeitliche Gründe haben, aber machen wir uns nichts vor: Die Konkurrenz aus dem Internet hat über die Jahre an Präsenz und Professionalität gewonnen und sich mit YouTube schon lange vom allein geschriebenen Wort wegbewegt! Auch Podcasts gibt es inzwischen zu jedem Genre, zu jeder Lebenslage und allzeit verfügbar. Ja, es tut weh, an sich selbst zu beobachten, dass das Maß aller Dinge eben nicht mehr eine Hochglanzausgabe der spielbox ist. So war es auch nicht verwunderlich, dass es bei BRETTSPIELERS zuhause durchaus die Überlegung gab, sich dem Abo der spielbox zu entledigen. Andererseits ist die BRETTSPIELERIN auch eine Freundin des geschriebenen Worts und der seriösen Meinung zum Thema Brettspiel. Nun, eine abschließende Entscheidung ist hier noch nicht gefallen und jetzt ist die BRETTSPIELERIN auch zu neugierig wie der so elegant eingeleitete Wandel weitergeht.