Die Renaissance des Würfels

Schaut man sich die Neuheitenlisten 2012 an, so stellt man unweigerlich fest, dass der Würfel ganz stark im Kommen ist. Schon 2011 zeichnete sich dieser Trend ab und zwar nicht nur bei Spielen mit dem Würfel als reinem Glückselement, sondern auch bei neueren Varianten, wo der Würfel für verschiedene Aktionen eingesetzt werden kann wie z. Bsp. bei der Pate oder den Burgen von Burgund. Fakt ist, dass alle großen Verlage im Moment Würfelspiele heraushauen als gäb’s diese kleinen (meist) kubischen Zufallsgeneratoren demnächst nicht mehr. Beispiele gefällig? Also *lufthol* : Da hätten wir das Zooloretto Würfelspiel von Abacusspiele, Würfelbohnanza, Piraten kapern und Wanzen tanzen von Amigo-Spiele und Einfach genial und das Keltis Würfelspiel sowie die Würfelwurst von Kosmos. Schmidtspiele hat letztes Jahr mit  „Roll&Play“ eine umfangreiche Würfelspiel-Serie auf den Markt geworfen, bei dem die Verpackung gleichzeitig ein Würfelturm ist. Darin erschienen sind u.a. Fiese 15, Würfel Ligretto und ganz neu MÄDN- mal anders. Auch Alea, die Vielspielermarke von Ravensburger, wird laut Ankündigung demnächst mit zwei Würfelspielen aufwarten. Und selbst beim Deckbuilding werden schon Karten durch Würfel ersetzt wie bei Quarriors von WizKids.
Tja, was die BRETTSPIELERIN interessiert ist natürlich eine einfache Frage: Warum? Wieso wird der Spielemarkt plötzlich von Würfelspielen überhäuft. Erste Hypothese: Würfel sind billiger geworden, besonders die schönen, bunten, individuell bedruckten 🙂 . Zweite Hypothese: Spielkarten sind teurer geworden :-). Dritte Hypothese: Die Leute haben die ständigen Erweiterungen satt, trotzdem sollen bekannte Spielenamen verkaufsfördernd für neue Produkte eingesetzt werden… und Kartenspielversionen von den zugrunde liegenden Brettspielen gibt es schon zuhauf. Erfolgreiche Titel lassen eben immer wieder die Kasse klingeln. Vierte Hypothese: Der Trend geht zu schnellen, kleinen Spielen, gern auch in Mitbringspielgröße, bei denen man ohne viel Regelstudium gleich loslegen bzw. loswürfeln kann. Fünfte Hypothese: Wenn alle anderen in Würfelspielen machen, dann machen wir das auch. Das nennt man dann Mode.
Um Missverständnisse direkt auszuräumen: Die BRETTSPIELERIN liebt Würfelspiele und war begeistert von den neuen Möglichkeiten moderner Würfelspiele, bei denen der Würfel eben nicht als reines Glückselement im Vordergrund steht, aber sie weiss nicht so recht, was sie von der neuen Würfelwelle halten soll. Immer, wenn das Würfelglück allein über Sieg oder Niederlage entscheidet, ist es einfach nur ein trauriges Vor-sich-hin-spielen. Was den Würfel aber ausmacht, ist das Spiel mit dem (kalkulierbaren) Risiko. Der Würfel lebt von der Spannung, ob die eigene Entscheidung richtig oder falsch war. Bleibt zu testen, ob die aktuellen Würfelspiele den Wert und Reiz des Würfelns stärken oder der Würfel im dunklen Glücksspiel-Dungeon versackt.

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