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Auf den Spuren von…

Seitdem der Baby-BRETTSPIELER auf der Welt ist, halten sich die Möglichkeiten zum Spielen langer, abendfüllender Strategiekracher in Grenzen. Umso schöner, dass die zwei Spiele, die die BRETTSPIELERIN kennenlernen konnte, zwei richtig gute sind: Orléans und Marco Polo, also „Auf den Spuren von…“ natürlich. Schließlich muss man sich seine Zeit effizient einteilen. Bei Marco Polo konnte die BRETTSPIELERIN zunächst einmal zusehen, um festzustellen, dass die Regeln mit einigen Nachfragen auch gut von draußen zu erfassen sind. Aber bei einem Spiel zusehen, das ist doch für eine BRETTSPIELERIN pure Quälerei! Ihr werdet deshalb sicher Verständnis haben, dass sie dieses Jahr das Pflichtprogramm Ratinger Spieletage und sogar den Herner Spielewahnsinn hat ausfallen lassen. Klar, man kann sich „informieren“ und so. So wie sich ein Hund sabbernd vor der Fleischtheke über das Angebot informiert.

Aber zurück zu Marco Polo. Die BRETTSPIELERIN hätte diesem Spiel womöglich keine große Beachtung geschenkt. Würfel-Placement ist natürlich eine schöne Sache und man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass es noch viele und wahrscheinlich auch viele tolle Würfel-Placement-Spiele geben wird (mmh, müsste wohl konsequenterweise Dice Placement oder Würfel-Platzierung sagen…na, egal). Aber wann kommt es denn vor, dass man bei einem Treffen ist, auf dem alle 13 Anwesenden als erstes Spiel Marco Polo spielen wollen? Und „nur“ zwei Exemplare vorhanden sind. Sowas. Und im Spielekreis wird es seit Wochen wirklich jedes Mal auf den Tisch gebracht. Das gibt einem doch zu denken, oder? Und das hat nur zu einem geringen Teil mit der Tatsache zu tun, dass es dieses Jahr bei der deutschen Mannschaftsmeisterschaft im Programm war. Da müssen die Autoren doch irgendwas richtig gemacht haben! Fakt ist, es ist wie Tzolk’in ein knallhartes Worker-Placement. Man kann es zwar aus dem Bauch heraus spielen, aber eigentlich, eigentlich müsste man ordentlich kalkulieren, denn der Glücksfaktor hält sich doch in Grenzen (trotz Würfel). Aus dem Bauch heraus geht natürlich auch, aber dann wird man nicht gewinnen ;-).
Als die BRETTSPIELERIN endlich selber mitspielen konnte, lauschte sie der Erklärung mit halbem Ohr, so grob hatte sie das ja schon intus, bis zum Schluß nochmal die Charakterkarten erklärt wurden (ach ja, es gab ja noch diese Charaktere! AHA!) und sicher ist sie nicht die Erste und Einzige, die behauptet, dass genau diese Charaktere, die jeder für sich sehr stark und jeder für sich reizvoll sind und zum Wiederspielen einladen, das Besondere an diesem Spiel sind. So bleibt gespannt abzuwarten, wie lange Marco Polo ganz oben auf der Beliebheitsskala angesiedelt sein wird und was danach kommt natürlich.

Die Beeinflussung des Würfels

Angeregt durch den Kommentar von Ralf hat sich die BRETTSPIELERIN einmal Gedanken gemacht, ob und wie es möglich ist, den eigenen Würfelwurf zu beeinflussen. Aber nicht etwa durch Schummelei oder sonstige bewusste Manipulation, sondern allein durch…ja, durch was eigentlich?

Gibt es den chronischen „Schlecht-Würfler“? Zumindest gibt es Spieler, denen dieser Ruf anhaftet und jeder kennt jemanden, der „immer“ mies würfelt bzw. solche Glückskinder, die immer das würfeln, was sie brauchen. Nur einfach verzerrte oder selektive Wahrnehmung?

Und wie sieht es mit dem  Aberglauben aus? Nehmen wir mal an, man braucht ganz dringend eine 4 und auf gar keinen Fall eine 1. Bloß nicht vorher sagen: „Bitte keine 1!“ Sondern: „Jetzt eine 4 bitte!“ (Das „bitte“ ist wichtig, etwas Höflichkeit dem Würfelgott gegenüber kann ja nicht schaden). Im letzteren Fall wird der Wunsch natürlich prompt erfüllt oder es ist ein Ergebnis, mit dem man spielerisch noch leben kann. Im ersteren Falle wirft man NATÜRLICH die 1. War doch klar, oder?! Die Frage ist also: Gibt es eine Beeinflussung  des Würfels  -welcher Art auch immer- vor dem Wurf?

Auf der persönlichen Wahrnehmung der BRETTSPIELERIN beruht die Aussage, dass  wenn man sich gut fühlt, also selbstbewusst und siegessicher, einem auch das Würfeln besser gelingt. Unsichere Spieler dagegen scheinen das Pech magisch anzuziehen. Diesbezüglich hat sie als noch kleine BRETTSPIELERIN eine umfangreiche Studie im Selbstversuch durchgeführt. Blöd nur, dass sie damals keine Dokumentation und keine Statistik darüber geführt hat. Sie konnte ja nicht ahnen, dass sie das hätte zwanzig Jahre später noch einmal brauchen können. Sie hat nämlich damals Yatzy gespielt, die Knobel-Variante der längst vergessenen Berliner Spielkartenfabrik (die mit dem Bärensymbol). Hunderte oder tausende Male, einfach auf eine möglichst hohe Punktzahl. War sie deprimiert oder schlecht gelaunt, waren die Scorings -gefühlt- stets schlechter als bei guter Laune oder nach einem schon erfolgreich absolvierten Spiel.

Tja, wie ist das zu erklären? Ist es wirklich nur die falsche Wahrnehmung? Oder geht der Effekt des positiven Denkens so weit, dass er das „Schicksal“ oder das „Glück“ oder was auch immer beeinflussen kann? Sind wir vielleicht unbewusst in der Lage, einen Würfel auf „Ziel“ zu würfeln und gelingt uns das besser, wenn wir uns auch besser fühlen?  Wenn man aus der Hand würfelt, gibt es ja vielleicht sogar Techniken dafür (wie man ihn aufnimmt, wie man ihn in der Hand dreht, wie man ihn abrollen lässt), aber bei  Verwendung eines Würfelbechers oder –turms wird es da schon schwerer. Trotzdem ist es vorstellbar, dass man beim  Einwerfen oder Schütteln beeinflussen kann. Letztlich sind Würfel nur rollende geometrische Körper. Theoretisch sollte ein Würfelwurf (im einfachsten Fall ausgeführt von einer Roboterhand im luftleeren Raum auf eine perfekte Oberfläche und nicht zu vergessen mit einem absolut perfekten Würfel) komplett berechenbar oder modellierbar sein. Die Realität ist allerdings an Komplexität nicht zu überbieten, auch wenn es sich nur um so eine scheinbar simple Sache wie einen Würfelwurf handelt.

Die BRETTSPIELERIN ist selbst verwundert darüber, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema sie so schnell zu den großen Fragen des Seins geführt hat, nämlich: Wo sind die Grenzen der Wissenschaft, wozu sind wir (unbewusst) fähig und wie groß ist der menschlichen Einfluss auf das Glück oder gar das Schicksal und wie viel ist in unserem Leben vorbestimmt?

Wie bestimme ich den Startspieler?

Vor einer Partie stellt sich den Spielern die schwere Aufgabe, einen Startspieler festzulegen. Der Klassiker in den Spielregelheftchen ist: „Der jüngste Spieler beginnt“, was wohl davon ausgeht, dass Kinder in der Runde mitspielen. Manchmal fragt sich die BRETTSPIELERIN allerdings, ob das so sinnvoll ist. Erstens: Es kann ein Nachteil sein, anzufangen, insbesondere, wenn man das Spiel nicht kennt. Zweitens: Wenn kein Kind in der Runde dabei ist, muss man dann unbedingt eine Altersumfrage starten, nur um herauszufinden, dass man mit 29 ¾ die Jüngste ist oder mit 40+ die Omi der Runde?

Natürlich muss man das nicht! Es gibt ja noch 100 andere Möglichkeiten den Startspieler zu bestimmen. Pfiffige Regelautoren haben sich andere Kriterien ausgedacht, möglichst passend zum Spielthema, mittlerweile quasi ein Running Gag. Derjenige wird Startspieler, der als Letzter auf Mallorca war oder im Dungeon oder auf den Mond geflogen ist oder als Letzter auf einen Turm, ein Pferd, eine Achterbahn, ein Fahrrad gestiegen ist oder der am nettesten, lustigsten oder sonstwas ist. Da hat man doch gleich einen tollen humorigen Einstieg ins Spiel *hüstel*. Ebenfalls beliebt: derjenige wird Startspieler, der die letzte Partie gewonnen/verloren hat. Blöd nur, wenn es sich um die erste Partie des Abends handelt

Große Dankbarkeit empfand die BRETTSPIELERIN daher beim Erscheinen Ted Alspachs Startspieler-Kartenspiel. Hier hat man wenigstens eine große Auswahl völlig unsinniger Kriterien. Zeitlich kann sich das je nach Karte aber auch spielverzögernd auswirken (z. Bsp., wenn man ewig warten muss, dass jemand die Augen wieder öffnet oder wild lostanzt).

Erstaunlich erfolgreich ist übrigens auch die „autoritäre“ Methoden: „DU bist jetzt Startspieler!“ Es kann so einfach sein. Wenn man sich das nicht traut, kann man ja auch aus Kindertagen bekannte Abzählreime verwenden und ggf. gegen Ende das Metrum des Reims dem gewünschten „Ziel“ anpassen (…und du-u-u-u bist rau-au-au-aus!).

Beliebteste Methode zur Startspielerbestimmung ist aber das Ausknobeln. Hier gibt es zahlreiche Varianten:

  •  Jeder würfelt. Die höchste Zahl beginnt. – Viel zu zeitauswendig und uneffizient. Besser:
  • Einer nummeriert die Mitspieler durch und würfelt dann, welche Nummer „gewinnt“. Bei zwei Spieler kann man in gerade oder ungerade unterteilen oder –hoho- eine Münze werfen!
  • Bei Kartenspielen zieht jeder eine Karte. Der mit der Höchsten wird Startspieler. Wahlweise, wer nach dem Austeilen eine vorher bestimmte Karte besitzt.
  • Man nimmt von jeder Farbe eine Spielfigur in die Hand und „würfelt“. Wer am weitesten fliegt/rollt, ist es dann.
  • Man nimmt einen Teil der Figuren in die rechte, einen anderen Teil in die linke Hand, mischt hinter dem Rücken und läßt einen Mitspieler auswählen. Das wiederholt man bis nur noch ein Figürchen bei der Wahl übrig bleibt. Etwas umständlich.
  • Und der Favorit der BRETTSPIELERIN in Sachen Geschwindigkeit: man nimmt von jeder Farbe eine Spielfigur in die Hände und läßt verdeckt eine herausfallen.

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Also, wer noch weitere Methoden kennt, bitte als Antwort posten!

Und nun viel Spaß bei der Startspielerbestimmung!