TichuTag Archives

Die BRETTSPIELERIN zeigt sich unkooperativ!

Direkt vorab um Missverständnissen vorzubeugen: Die BRETTSPIELERIN spielt gerne kooperative Spiele. Nur sie ertappte sich auf ihrem letzten ausgiebigen Spielewochenende beim Gedanken: „Oh, nein, nicht noch ein Kooperatives!“. Wie konnte es soweit kommen? Eins steht fest, Koops liegen voll im Trend. Die Messe war voll davon und spätestens seit Pandemie finden sie sich zahlreich im Spieleregal wieder. Und es gibt wahrlich tolle Spiele aus diesem Genre (von der BRETTSPIELERIN ja genauso zahlreich gelobt…sie sagt nur Flashpoint, Andor und Hanabi). Das Erste, an das sie sich bewusst erinnert, war der Herr der Ringe aus dem Jahr 2000…man, lang ist´s her! Interessant waren dann auch kooperative mit „Verräter“, sozusagen dem Salz in der Suppe (oder eher demjenigen, der in selbige spuckt?). Zum einen beim Kassenschlager Schatten über Camelot als Variante oder noch besser und vor allem gruseliger beim Betrayal at House on the Hill. Mmh, auch echt lange nicht mehr gespielt, aber die Regel wieder lernen, oh oh, das könnte in Arbeit ausarten. Schade drum. Fragt die BRETTSPIELERIN nicht, ob das mit der Neuauflage von 2010 besser geworden ist. Die Spieler sollten auch des Englischen mächtig sein, sonst weiss der böse Geist eventuell gar nicht, was er zu tun hat. In dieser netten Horrortradition findet sich auch das Koop Villen des Wahnsinns wieder, nur mit hübscheren Geistern und Monstern natürlich. Atmosphäre ist alles!

Gerne mag die BRETTSPIELERIN auch das „Stressspiel“ Space Alert, bei dem die Mannschaft auf Zeit versucht, irgendwie ihr Raumschiff heil durch das All zu steuern. Echt schwer. Der Vorteil: es bleibt nicht genug Zeit, dass einer meint, er könnte einem die Ohren volllabern, was man zu tun und zu lassen hat. Wenn einer nicht mitdenkt, dann wird garantiert das falsche Knöpfchen auf dem Schaltpult des Schiffs gedrückt und dann…puff. Aber wir schweifen ab. Zurück zum Problem der Übersättigung an Koops. Die BRETTSPIELERIN gesteht, nach dem dritten Koop hintereinander reicht es ihr. Dann will sie wieder konfrontativ spielen, BRETTSPIELER gegen BRETTSPIELER und nur EINER kann gewinnen und dieser EINE ist nicht das SPIEL, sondern ein SPIELER. Der heisst dann Gewinner. Jaja, irgendeiner verliert dann auch mal, aber so ist dann halt das Leben. Das macht einen hart. Naja, nur Spaß, so ganz ernst nehmen wir das dann auch nicht ;-).

Der letzte Auslöser einer Koop-Frustration war Robinson Crusoe, Essen-Neuheit 2012. Robinson hatte es wirklich schwer. Und unsere kleine Robinson-Schicksalsgemeinschaft erst recht. Bereits wenige Minuten nach der sehr umfangreichen Regelerklärung, brachte ein Robinson sein Unbehagen vor, die Insel weiter zu erkunden. Die Stimmung auf der Insel sank in den Keller, die Moral war geschwächt, was auch an der entsprechenden Leiste auf dem Spielplan abzulesen war. Wir mussten gefrustet aufgeben. Da vergeht einer BRETTSPIELERIN die Laune auf Koop ganz ordentlich.

Eine andere Idee fasziniert die BRETTSPIELERIN derzeit. Nämlich ein Spiel gegeneinander UND gegen das Spiel wie beim neuen Archipelago. Natürlich gab es das schon mal. Der BRETTSPIELERIN fällt da spontan Comuni von 2008 ein, wo man für die äußere Verteidigung der Stadt als Gruppe von Zeit zu Zeit mal etwas investieren musste. Trotzdem reizt die BRETTSPIELERIN Archipelago mehr. Vielleicht wegen des Mechansimus wie sich die Rebellen formieren. Je mehr man vom Archipel entdeckt, desto mehr Eingeborene werden zu Arbeitslosen. Bevor die Europäer kamen, wussten die Arbeitslosen ja nicht, dass sie arbeitslos sind. Sie waren einfach da und haben aus dem Dschungel gelebt. Gibt es zu viele Arbeitslose und sind die Märkte überfüllt, weil man das Land ordentlich ausgebeutet hat oder treibt man zu viel Steuern ein, dann werden die Arbeitslosen eben aufmüpfig und fangen an zu rebellieren. Und eh man sich´s versieht, ist das Spiel verloren. Autsch. Da nutzt einem das ganze Geld und die ganzen Siegpunkte nix. Das SPIEL gewinnt. Interessant, wenn auch sicher noch nicht die Spitze dieser Art von Spiel. Die wird sicher noch kommen. Die BRETTSPIELERIN wartet sehnlichst darauf.

Eins hat aber schon seit Doppelkopf und Pärchen-Canasta seinen Reiz: Das Teamspiel. Meist im Kartenspielbereich beheimatet (Tichu nicht zu vergessen…). Ist das vielleicht die perfekte Kombination aus Kooperation und Konfrontation? Vielleicht erleben wir ja auch mal ein großes Revival des Teamspiels über DOG hinaus… .

Vom Präsident zum Arsch und umgekehrt

Um eines direkt klarzustellen, der Titel steht in keinerlei Bezug zu tagespolitischen Themen 😉 . Die BRETTSPIELERIN wurde lediglich an ihre Ausbildungszeit erinnert, bei der sie das traditionelle Stich-Kartenspiel Hierarchie – oder derber auch als Arschloch oder kurz Arsch bezeichnet- quasi ständig spielte. Der große Dalmuti oder Karrierepoker sind kommerzielle Versionen dieses simplen, aber spaßigen Spiels. Ebenso Tichu (angelegt als Partnerspiel) und Zoff im Zoo (mit niedlichen Tierchen und komplexerem Stichwertsystem). Es gibt zig Variationen des Arsch-Grundspiels (siehe Wiki). Hier die Variante, die die BRETTSPIELERIN damals spielte. Es wird mit vier Spielern und einem Skatblatt gespielt (32 Karten, also Werte von 7 bis Ass). Alle Karten werden verteilt. Der Spieler mit der Kreuz 7 beginnt. Er spielt entweder eine Einzelkarte, ein Pärchen, einen Drilling oder Vierling auf. Die nachfolgenden Spieler müssen wie beim Tichu mit der gleichen Kartenanzahl überbieten. Wird also eine Einzelkarte aufgespielt, kann auch nur mit einer Einzelkarte überboten werden. Haben alle gepasst, gewinnt der Höchstbietende den Stich und damit das neue Aufspiel. Ziel ist es, seine Karten möglichst schnell loszuwerden. Wer als erstes fertig ist, erhält den Titel Präsident (Präsi), der zweite Vize-Präsi, der dritte Vize-Arsch, der letzte, naja, Arsch halt. Er darf dann auch mischen und austeilen…einer muss die Arbeit ja machen. Vor dem neuen Ausspiel werden dann Karten getauscht (geschupft). Klassisch gibt der Arsch seine zwei besten Karten an den Präsi ab, der seinerseits seine zwei schlechtesten abgibt. Die Vize tauschen nur eine Karte aus. Bei dieser Variante hat der Arsch aber quasi null Chance, irgendwann mal wieder nach oben zu kommen. Laaangweilig. Eine kleine Regeländerung hat sich im praktischen Test als sehr effektiv erwiesen. Der Präsi wünscht sich zwei beliebige Karten. Hat der Arsch nur eine oder gar keine der gewünschten Kartenwerte, kann er abgeben, was er will. Wünscht sich der gierige Präsi z. Bsp. zwei Asse (sollte er nicht machen, wenn er schon drei Asse hat) und der Arsch hat nur eines, so gibt er das eine Ass ab und legt irgendetwas anderes, eine 7 oder eine einzelne 8 vielleicht, dazu. Da gleichzeitig geschupft wird, wissen beide Tauschpartner nicht, was sie bekommen. Die Vize tauschen nach gleichem Schema nur eine Karte aus. Durch das Wünschen kann also ganz schön Bewegung in das Rängesystem kommen. Es ist zwar immer noch schwierig für den Arsch direkt zum Präsi aufzusteigen, aber es ist nicht mehr unmöglich. Die BRETTSPIELERIN und ihre Kollegen haben dann noch einen kleinen Obolus pro ausgespielter Hand vereinbart. Je nach Rang (Präsi bis Arsch) wurden 1 bis 4 Pfennig fällig. Ja, Pfennig. Das ist die Untereinheit dieser Währung, die es mal gab…DMark oder so ähnlich. Die Kasse war auf jeden Fall nach einem Jahr so gut gefüllt, dass es für einen Cocktailabend reichte. Wer also nur ein einfaches Skatblatt dabei hat, wenig Platz zum Spielen, keine Lust lange Punkte zu zählen und ein wenig Spaß am Frotzeln, für den ist Arsch das richtige Spiel. Probiert’s einfach aus!