StichspieleTag Archives

Vorbei…leider :-(

Kaum hat sie angefangen, da ist sie auch schon wieder vorbei die Messe. Wenn mal eine Arbeitswoche so schnell rumgehen würde (und die hat ja in der Regel einen Tag mehr)! Ja, Zeit für ein Fazit. Also, es war TOLL und viel besser als von der (zugegeben stets überpessimistischen) BRETTSPIELERIN erwartet. Auch das Toilettenproblem hat sie einigermaßen in den Griff bekommen: einfach buntes Bändchen am Ausgang geben lassen und die große Sanitäranlage im Foyer des West-Eingangs nutzen. Da war dann die Schlange erträglich bzw. gar nicht vorhanden. Aber kommen wir zum Spielerischen. Wie von der BRETTSPIELERIN bereits im Mai großspurig versprochen, war es eine super Messe mit ganz großartigen Neuerscheinungen. Wer da anders denkt, möge sich bitte JETZT lautstark melden *lausch*.

Etwas sticht einem quasi ins Auge: der Deckbau lebt und wird immer wieder neu erfunden. Ein Trend, der sich also ungebrochen fortsetzt. Er setzt sich nun als weiteres Element in Brettspielen durch und macht die „neuen“ Spiele noch variabler. So zum Beispiel beim im letzten Artikel erwähnten Rokoko. Der Deckbau ergänzt dabei das allseits bekannte Sammeln von Rohstoffen, Umsetzen in Punkte und Generierung von Mehrheiten. Bei Concordia ist der Deckbau von zentralerer Bedeutung, kombiniert mit Ausbreitung auf einer Landkarte und dem Rohstoffsammeln/Bauen-Motiv. Lewis und Clark verbindet Deckbau (oder wie es so schön heisst „Handbau“) mit einem Wettrennthema. Ganz nah am „klassischen“ Deckbau (ja, Deckbau ist jetzt schon ein Klassiker) ist Trains. Die Dominion-Grundstruktur ist weitgehend erhalten, wird aber ergänzt durch ein thematisch stimmiges Landkartenausbreitungs-Szenario mit Eisenbahnflair. Irgendwie hat die BRETTSPIELERIN das Gefühl, da kommt die nächsten Jahre noch einiges nach. Ein Dauerbrenner sind ja auch die Workerplacements und zu Recht, denn nicht nur die BRETTSPIELERIN liebt dieses Genre. Eines der Top-Spiele der Messe ist eben ein Workerplacement: Russian RailRoads. Und nicht zu vergessen, das wirklich gelungene Glück auf! Ein ganz feines, reines Spiel dieser Kategorie.

Schaut man in die Ranglisten, fällt einem noch ein kleines Spielchen auf, was es in die Top 10 geschafft hat: Ugo. Nicht nur ein Kartenspiel, nein ein ordinäres Stichspiel. Schön, dass man auch damit noch ein wenig Aufsehen erregen kann. Es lebe das Stichspiel! Es lebe das Workerplacement und ja, es lebe das Deckbuilding! Was werden unsere klugen Erfinderköpfe wohl noch an neuen Mechansimen austüfteln in den nächsten Jahren? Wir werden es sehen, mit Sicherheit auf der Messe!

Vom Präsident zum Arsch und umgekehrt

Um eines direkt klarzustellen, der Titel steht in keinerlei Bezug zu tagespolitischen Themen 😉 . Die BRETTSPIELERIN wurde lediglich an ihre Ausbildungszeit erinnert, bei der sie das traditionelle Stich-Kartenspiel Hierarchie – oder derber auch als Arschloch oder kurz Arsch bezeichnet- quasi ständig spielte. Der große Dalmuti oder Karrierepoker sind kommerzielle Versionen dieses simplen, aber spaßigen Spiels. Ebenso Tichu (angelegt als Partnerspiel) und Zoff im Zoo (mit niedlichen Tierchen und komplexerem Stichwertsystem). Es gibt zig Variationen des Arsch-Grundspiels (siehe Wiki). Hier die Variante, die die BRETTSPIELERIN damals spielte. Es wird mit vier Spielern und einem Skatblatt gespielt (32 Karten, also Werte von 7 bis Ass). Alle Karten werden verteilt. Der Spieler mit der Kreuz 7 beginnt. Er spielt entweder eine Einzelkarte, ein Pärchen, einen Drilling oder Vierling auf. Die nachfolgenden Spieler müssen wie beim Tichu mit der gleichen Kartenanzahl überbieten. Wird also eine Einzelkarte aufgespielt, kann auch nur mit einer Einzelkarte überboten werden. Haben alle gepasst, gewinnt der Höchstbietende den Stich und damit das neue Aufspiel. Ziel ist es, seine Karten möglichst schnell loszuwerden. Wer als erstes fertig ist, erhält den Titel Präsident (Präsi), der zweite Vize-Präsi, der dritte Vize-Arsch, der letzte, naja, Arsch halt. Er darf dann auch mischen und austeilen…einer muss die Arbeit ja machen. Vor dem neuen Ausspiel werden dann Karten getauscht (geschupft). Klassisch gibt der Arsch seine zwei besten Karten an den Präsi ab, der seinerseits seine zwei schlechtesten abgibt. Die Vize tauschen nur eine Karte aus. Bei dieser Variante hat der Arsch aber quasi null Chance, irgendwann mal wieder nach oben zu kommen. Laaangweilig. Eine kleine Regeländerung hat sich im praktischen Test als sehr effektiv erwiesen. Der Präsi wünscht sich zwei beliebige Karten. Hat der Arsch nur eine oder gar keine der gewünschten Kartenwerte, kann er abgeben, was er will. Wünscht sich der gierige Präsi z. Bsp. zwei Asse (sollte er nicht machen, wenn er schon drei Asse hat) und der Arsch hat nur eines, so gibt er das eine Ass ab und legt irgendetwas anderes, eine 7 oder eine einzelne 8 vielleicht, dazu. Da gleichzeitig geschupft wird, wissen beide Tauschpartner nicht, was sie bekommen. Die Vize tauschen nach gleichem Schema nur eine Karte aus. Durch das Wünschen kann also ganz schön Bewegung in das Rängesystem kommen. Es ist zwar immer noch schwierig für den Arsch direkt zum Präsi aufzusteigen, aber es ist nicht mehr unmöglich. Die BRETTSPIELERIN und ihre Kollegen haben dann noch einen kleinen Obolus pro ausgespielter Hand vereinbart. Je nach Rang (Präsi bis Arsch) wurden 1 bis 4 Pfennig fällig. Ja, Pfennig. Das ist die Untereinheit dieser Währung, die es mal gab…DMark oder so ähnlich. Die Kasse war auf jeden Fall nach einem Jahr so gut gefüllt, dass es für einen Cocktailabend reichte. Wer also nur ein einfaches Skatblatt dabei hat, wenig Platz zum Spielen, keine Lust lange Punkte zu zählen und ein wenig Spaß am Frotzeln, für den ist Arsch das richtige Spiel. Probiert’s einfach aus!