SpielertypenTag Archives

Spielertypen 9: Der Macho

Die BRETTSPIELERIN dachte, er wär schon so gut wie ausgestorben: Der Spielertyp Macho. Aber wie die neusten Aufreger in einer großen deutschen Spielezeitschrift und dem dazugehörigen Forum zeigen, ist das wohl nicht der Fall. Also muss sich die BRETTSPIELERIN doch diesem Spielertypen, allein schon der Vollständigkeit wegen, nun auch einmal widmen. Ja, die BRETTSPIELRERIN hatte schon Kontakt mit ihm und das hat ihr dann ordentlich die Laune verdorben. Am Schlimmsten ist, wenn der Macho auch noch versucht ein Spiel zu erklären. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: entweder er sieht die BRETTSPIELERIN gar nicht erst an (wozu auch, ist ja eh Hopfen und Malz verloren) oder er erklärt alles ganz, ganz langsam, damit die BRETTSPIELERIN das dann auch kapiert. Bisher hat die BRETTSPIELERIN dann auch wirklich nichts kapiert…muss dann wohl echt an ihrer Blödheit und der Komplexität des Spiels gelegen haben (mehr als 20 Seiten Regel wahrscheinlich) *räusper*. Zudem spürt sie dann meist so eine unterschwellige Aggression in ihr aufsteigen, insbesondere, wenn dann während des Spiels noch schlaue Belehrungen des Machos erfolgen. Grrrrrrrr. Und mit Aggression da spielt es sich irgendwie nicht gut. Ach ja, das war das mit dem Jagen und dem Löwen und dem Höhlenbären. Da schaltet sich das Gehirn dann quasi automatisch ab, der Adrenalinspiegel steigt und man ist nur noch zu einer grundlegenden Entscheidung fähig: Flucht oder Angriff! Dieser Überlebensmechanismus funktioniert auch bei BRETTSPIELERINnen perfekt. Im Spiel hilft meist nur Angriff, aber davor gewinnt immer die Flucht bzw. die universelle Vermeidungsstrategie. Das ist stressfreier (kein Adrenalin und so) und die Machos bleiben dann eben unter sich und wundern sich, dass sie keine BRETTSPIELERINnen kennen, die ihre Spiele mögen.

Neulich im Spielekreis kam übrigens die Frage auf, wo denn die Dame des Hauses sei: Na, in der Küche natürlich, Schnittchen machen. Wo sonst? Aber zur Aufklärung, die BRETTSPIELERIN hat nur sich selbst Schnittchen gemacht und für die Herren netterweise noch ein paar wenig maskuline Möhrchen geschnibbelt und auch die in der Runde gereichten vollwertigen Dinkelsalzstangen, waren zwar vollwertig, aber nicht vollwertig männergerecht. Entschuldigt, dass die fetttriefenden, extra scharfen Chili-Männerchips aus waren. Das mögen die Männer doch alle, oder? 😉

Und so wartet die BRETTSPIELERIN nicht wirklich auf ein Wiedersehen mit dem Spielertypen Macho, selbst wenn er seine fragwürdige Anerkennung zum Besten gibt: „Also, für eine Frau spielst du ganz gut.“ *würg*

Spielertypen 8: Der Nachfrager

Situation Spielerklärung: Normalerweise das Highlight des Nachfragers. Die BRETTSPIELERIN erklärt: „Wenn du diese Aktion wählst, dann kannst du dir drei Geld nehmen.“ Mmh, klar. „Und hier kannst du eine Figur zusätzlich einsetzen, und hier….“. Der Nachfrager unterbricht: „Also, da kann man drei Geld nehmen, oder?“ „Ja, genau“. „Und wo kann man nochmal bauen?“ „Wie ich vorhin kurz erwähnte, auf dem Feld da“. “ Achja, richtig…und wie…und wo…und wann…und…und…und…“

Kein Problem. Beim Erklären darf man gern nachfragen, auch mehrmals. Viele Spielregeln sind heute zu komplex, um sich alles immer auf Anhieb zu merken. Die BRETTSPIELERIN selber ist eine häufige Nachfragerin. Aber zurück zu unserem Spielertypen, dem notorischen Nachfrager. Für ihn ist nach der Erklärung noch laaaaange nicht Schluß. Zunächst versichert er aber glaubhaft, alles voll und ganz -100%ig- verstanden zu haben. „So schwer ist die Regel nun auch wieder nicht“, meint der Nachfrager noch. Gut, dann kann es ja endlich losgehen.

Einsetzphase Startaufstellung. Alle machen ihren Zug. Der Nachfrager zögert. „Ist es jetzt besser, alles hierhin zu setzen oder lieber auf Nummer sicher zu gehen?“ „Puh, ja, öhm, das kann man halt so oder so machen, je nach Strategie“. Aber der Nachfrager läßt nicht locker: „Mmmh, und welche Strategie ist besser?“. „Tja, das kann man so nicht sagen“. Mit einem gekonnten Blick checkt der Nachfrager die Lage und hängt sich stillschweigend, aber für alle offensichtlich, an den vermeintlich besten Spieler am Tisch und ahmt dessen Zug 1:1 nach. Dieser ist begeistert, wollte er doch bei seiner Aktion extra Konkurrenz vermeiden. Zweite Runde. Wieder ist der Nachfrager an der Reihe: „Hä? Warum hast du denn jetzt das gesetzt?“ Mit einem tiefen Seufzen erklärt die BRETTSPIELERIN, dass sie dringend Geld bräuchte und das die Aktion „Geld-nehmen“ da doch ganz passend sei. „Und wofür brauchst du das Geld, BRETTSPIELERIN?“ Okay, unhöflich sein oder verschwiegen oder geduldig? Hier die geduldige Variante: „Na, ich möchte über kurz oder lang etwas ausbauen“ Bloß nicht zu konkret werden! Das schluckt der Nachfrager und besetzt in der nächsten Runde die Bauaktion. Merci. „Geduldig“ war also falsch! Immerhin zeigt der Nachfrager hier ein gewisses Maß an Spielverständnis. Versuchen wir es mit Verschwiegenheit: Die BRETTSPIELERIN lächelt, macht ihren Zug und schaut aus dem Fenster, gießt sich etwas zu Trinken ein, trinkt ihr Glas leer, knabbert eine Kleinigkeit, entschuldigt sich kurz aufs WC…kommt wieder. Aber der Nachfrager fragt unerbittlich nach: „Also, ich kapier immer noch nicht, warum du das vorhin so gespielt hast, BRETTSPIELERIN!“ Seufz. Verschwiegenheit hilft auch nichts. Der Nachfrager vergißt vieles, aber nicht noch einmal nachzufragen. Bleibt die Unhöflichkeit. Die BRETTSPIELERIN gibt zur Antwort, dass sie nicht im Geringsten beabsichtigt, ihren Plan und ihre Gründe preiszugeben. Der Nachfrager macht ein säuerliches Gesicht. „Ist bei euch immer so eine ernste Stimmung am Tisch?“

Juhu, das nächste Mal wird er sicher nicht mehr mit…“Naja, wenn man konzentriert am Werk ist“, der Nachfrager ist einfach tolerant, „das geht ja mit einer gewissen Ernsthaftigkeit einher. Wir sind ja hier schließlich nicht im Kindergarten, oder!?“ Er grinst. „Glaubt ihr denn, dass es besser ist auf Angriff zu gehen oder erstmal selber auszubauen? Würdet ihr drei oder vier Männchen auf der Aktion platzieren? Oder soll ich erstmal passen? Oder…..?

[An dieser Stelle wird der weitere Dialog aus Platzgründen ausgeblendet. Eine Lösung des Nachfrager-Dilemas ist in Arbeit. Vorschläge erbeten.]

Spielertypen 7: Der Ungepflegte

Nach langer Zeit nimmt sich die BRETTSPIELERIN mal wieder den Spielertypen an und diesmal geht’s um die rein hygienische und geruchliche Komponente. Als Geruchsmensch kann besonders Letztere zum Problem werden. Die BRETTSPIELERIN kann nämlich nur eine begrenzte Zeit ihre Nase innerlich verschließen (wie unter Wasser) und durch den Mund atmen. Intensiver Schweißgeruch ist sicherlich die Hauptquelle, aber auch Mundgeruch kann einem den Spielspaß gründlich vermiefen, äh, vermiesen. Sollte die BRETTSPIELERIN scheinbar ohne Grund den Sitzplatz wechseln wollen, immer weiter vom Tisch wegrücken und ständig ihren Kopf abwenden, dann wisst ihr, liebe Leser, jetzt warum.

Ein anderes Problem sind die Kratzer und Jucker. Ja, Jucken ist menschlich, aber muss es unbedingt während des Spiels sein und unbedingt im Schritt, in den Ohren, der Nase, unter den Achseln oder sonst wo? Am Besten ist der Klassiker: kratz es ‚raus, sieh es an und … aber lassen wir das. Wie gesagt, alles nicht schlimm, nur bitte nicht am Spieltisch. Außerdem ist die BRETTSPIELERIN ein echter Pingel (eine Pingelin -gibt’s das?), wenn es um ihr Spielmaterial geht. Sie möchte nicht, dass jemand an seinen Fingern lutscht und danach Speichel- und ggf. Essensreste an die Karten und Figuren schmiert. Ganz zu schweigen von den Glasumwerfern, aber das ist wohl ein anderes Thema.

Manchmal steckt das Ungepflegte aber auch im Detail. Spielen ist nun mal eine Beschäftigung, bei der eines stark im Mittelpunkt steht: die Hände der Spieler. Alle Augen sind auf sie gerichtet, wenn eine Karte gezogen, eine Spielfigur bewegt oder auf etwas auf dem Plan gezeigt wird. Und was sieht man da (ausser metallischen Verzierungen)? Kreativ geschnittene (?) Fingernägel, etwas zu lang und mit dunklen, undefinierbaren Rändern dekoriert. Nicht schön. Und damit ist man wieder bei den Kratzern, denn irgendwo müssen die schwarzen Ränder ja herkommen.

Die BRETTSPIELERIN hat sich schon oft gefragt, ob es unter Spielern mehr Ungepflegte gibt als unter „Normalmenschen“. Scheinbar läuft einem in der Szene doch öfter mal jemand mit Schweißproblem oder ungewaschenen Haaren über den Weg. Ist das nur ein Vorurteil? Sie weiss es ehrlich nicht und hat sicher auch nicht vor, hier eine Statistik zu führen. Fakt ist aber, dass es Abhilfe gibt. Einmal am Tag duschen, Zähne putzen und ab und zu mal die Nagelschere ansetzen würde oft schon reichen und da bleibt mit Sicherheit noch genug Zeit zum Spielen.

Okay, kurze Pause. Blick auf die Nägel. Puh. Glück gehabt. Noch mal kurz unter die Achselhöhle geschnuppert. Ja, jetzt geht die BRETTSPIELERIN erstmal duschen.