Rajas of the GangesTag Archives

Messe-Anekdoten

Auch dieses Jahr weilte die BRETTSPIELERIN zumindest zwei Tage auf der Messe in Essen und auch dieses Jahr gibt es mal wieder das ein oder andere Kuriose zu berichten. Es fing alles damit an, dass sich mir die freundliche Ordnerin auf meinem Weg zum Westeingang in den Weg stellte und mich bat, doch den tollen Seiteneingang zur Galerie zu nutzen, die anderen seien schon zu voll. Da war es circa 8.45 h. Ich hatte schon geflissentlich das Schild auf der Autobahn ignoriert, man solle schon in Kettwig abfahren, weil der „Nahbereich“ der Messe schon belegt sei, aber diesmal dachte ich, was soll’s, probieren wir das mal aus. Der erste Eindruck war gut: Kaffeebude und Platz vorhanden, aber dann kam ein dringendes Bedürfnis bei mir auf und ich fragte den Herrn im Anzug und mit Funkgerät bewaffnet, wo denn die Toiletten seien. Es gäbe keine, war die Antwort, ich solle doch bis 10 Uhr warten. Nun ja. Und wenn ich dann so lange eingehalten und in der Menschenmenge gewartet habe, gehe ich erstmal brav aufs Örtchen und nicht straight zum nächsten freien Tisch meiner Wahl!? Etwas ungläubig ging ich erstmal wieder nach draussen, wo tatsächlich zwei Dixi-Klos standen. Es war nur nicht klar, ob diese zur Baustelle nebenan gehörten oder doch jemand mitgedacht hatte und sie für die Wartenden aufgestellt hatte. Wie mir zu Ohren kam, gab es an irgendeiner unbekannten und wahrscheinlich entlegenen Stelle auf dem Messegelände noch mehr Dixis für Besucher. Vielleicht braucht der Mitarbeiter der Messe also nur eine Nachschulung. Ansonsten war der Galerieeingang gar nicht so übel, sofern man schnell in Halle 2 oder 6 wollte. Zum Beispiel zu Artipia Games, wo ich mich spontan niederließ, um das Sanduhren-Koop „Kitchen Rush“ zu testen. Und testen war das richtig Wort, denn meine Mitspieler wollten wirklich nur testen. Ich mein, ein Spiel, das eh nur 4 x 4 mins dauert, könnte man vielleicht so grade eben noch durchspielen, aber nach einer Runde war dann schon genug, und dass, obwohl es ihnen gefallen hatte. Mir war es aber auch genug, weil es mir nicht gefallen hatte. Vom frühen Aufstehen noch müde, legte ich mich erstmal ins Bett, mit Schlafmaske natürlich. Leider konnte ich nicht richtig eindösen, weil ständig jemand Begriffe in ein Mikrofon rief und ein Mann im Nachthemd von mir verlangte, ich solle ihm meine Träume erzählen. Witzige Promo-Aktion auf jeden Fall für das Party-Spiel „When I dream“!
Irgendwann möchte man dann doch mal etwas „richtiges“ spielen. Den Kosmos-Stand nach zeitnah freiwerdenden Tischen abgescannt und beim „Fundament der Ewigkeit“ angestellt, in der Hoffnung, die Wartezeit nähme keinen Bezug auf den Spieltitel. Es gesellte sich dann noch ein einzelner Herr dazu, der sich erstmal auf den Stuhl des Nachbartisches fallen ließ, aber andeutete, dass er das auch gern spielen würde. Okay, Gentleman geht anders, aber gut, dann wär man ja schon zu zweit. Ein paar Tische weiter wartete noch eine Gruppe aus augenscheinlich drei jungen Männern (alle so Anfang 20), bei denen sich ein freier Tisch anzubahnen schien. Ich machte Zeichen und deutete an, dass ich mich bei ihnen anschließen wolle. In dem Moment sah mein Mitwartender zu den Jungs herüber und dachte, die meinen ihn! Blitzschnell nachgedacht und entschieden, so werd ich den Typ wenigstens wieder los und schnapp mir den nächsten freien Tisch. Der machte sich sogleich auf die Socken mit der Begründung -und jetzt kommt´s-, das würde vom Alter her eh besser passen. Alles klar, Herr Mehr-als-deutlicher-Plätenansatz-und-deutliche-Lachfalten-Besitzer! Ich fragte sicherheitshalber nochmal nach (schlechte Akustik vielleicht): „Und DIE sind deine Altersgruppe?“ „Ja“. Mmh. Entweder hat einer von uns ein Problem mit Eigen-und Fremdwahrnehmung oder wir beide.
Also,
1. ICH BIN NICHT ALT.
2. Und wenn doch, was spielt das für eine Rolle bei einem gepflegten Brettspiel?
3. Glück gehabt (in der dicken Jacke hätte der Jungspund sicher auch noch zu schwitzen angefangen)
4. Wurde sofort ein Tisch frei (Danke den Erklärern, die mich direkt herangewunken haben) und
5. tauchte ein Bekannter mit Kollegen auf, mit denen ich das zügig durchspielen konnte.
6. Schönes Spiel 🙂 .

Am Messesonntag lief dann alles entspannt, insbesondere morgens auf dem Weg vom Auto zur Messe der Kaffee über meine Jacke und meinen Schal. Ups. Naja, eine kleine Slapstick-Einlage muss ja auch mal sein. Dank des Hinweises einer Bekannten ergatterte ich direkt morgens einen Platz bei den „Rajas of the Ganges“. Aufgrund mangelnder Vorbereitung hatte ich Huch! nicht auf dem Schirm und war überrascht, dort ein doch einigermaßen komplexes Spiel vorzufinden. Die Autorenfamilie Brand ist aber auch nicht zu bremsen und bei diesem Workerplacement stimmt wirklich alles: Material, Grafik, Symbolik, Mechanismen, Ausgewogenheit und Innovation.

Schließlich durfte der KLEINKIND-BRETTSPIELER auch noch am Sonntagnachmittag auf die Messe. Zum ersten Mal in seinem kurzen Leben und er war begeistert. Zufrieden mümmelte er nach 3 Stunden Haba und Galerie an seinem Popcorn und ließ sich im Buggy durch die vollen Gänge wieder nach draussen schieben. In Halle 8 (?) gab es nämlich noch auf altmodisch hergestellte Weise, frisch geplopptes Popcorn (und einen preiswerten Kaffee) und nicht wie in den Kinos in Mikrowellen aufgewärmtes, styroporartiges Zeug.
Von dem wunderschönen, großen Mammut bei Hans-im-Glück inspiriert besorgte die BRETTSPIELERIN zu guter Letzt noch ein „Stone Age Junior“, was der Kleine nun mit Begeisterung spielt. Nur blöd, dass er noch nicht fehlerfrei bis 6 zählen kann, aber das wird sicher noch. Und gut, dass er nicht ankommt und bemängelt: Mama, du bist nicht in meiner Altersgruppe… .