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Muttertag in Herne 2017

Nachdem die Vortester am Samstag in Herne keine heißen Tipps für die BRETTSPIELERIN für dem Sonntag auf Lager hatten, ließ sie sich treiben. Sonst trifft man ja schon vorm Eingang ein paar Bekannte, aber der Muttertag hatte wirklich voll zugeschlagen. Es war richtig leer. Den ganzen Tag. Vielleicht eine Erklärung, warum an den Tagen zuvor so viel los war. Aber klar, ein paar Freunde waren dann doch zur Stelle und so verschlug es die BRETTSPIELERIN zunächst an die Prototypen-Tische des bis dato unbekannten Vater-Sohn-Autorenpaars Florian und Helmut Ortlepp. Man muss ja auch mal ein Risiko eingehen, auch wenn meine Spielzeit natürlich knapp bemessen und damit kostbar ist. Die beiden Herren haben einen eigenen Spieletreff in Hagen und offensichtlich Spaß am Entwickeln. Nun gut. Zunächst das Familienspiel „Excelsior“ mit Edelstein-/ Minenthema. Man würfelt mit zwei Edelsteinsymbol-Würfeln und muss sich entscheiden, für welchen der beiden Würfel man sich eine Mine als Produktionsgebäude nimmt und für welchen sich alle Spieler Minenerträge, also Edelsteine, nehmen dürfen. Es folgen eine Handelsphase und das Eintauschen in Siegpunktkarten. Allerdings wird jede Phase erst von allen durchgeführt, d.h. erst würfeln alle, dann handeln alle, dann geht es um die Siegpunktkarten. Dadurch erhöht sich die Konkurrenz um die Karten. Diese sind mit Text versehen, über den teils das Thema transportiert werden soll, aber auch ein Ereignis bzw. Aktion ausgelöst wird. Eigentlich ein nettes Familienspiel, nur sind (lange) Texte für Kinder nicht optimal. Da nun das Familienspiel wider Erwarten kurzweilig war (45 min zu dritt), traute sich die BRETTSPIELERIN auch an das komplexere „InCity“ bzw. „FUN-Park Industriekultur“ heran. An dieser Stelle mein Dank an den netten Statistik-Absolventen, der sich bereit erklärte, dieses Wagnis mit mir einzugehen. Auf die Frage, auf welchen Grundmechanismus das Spiel basiert, wurde mir „Worker movement“ angeboten. Nun, sorry, es gibt weder echte Worker, die Aktionen belegen, noch ein Movement derselben. Die „Arbeiter“ dienen nur als Marker, welche der vier feststehenden Aktionen schon genutzt wurde. Dann verschiebt man sie von „aktiv“ auf „inaktiv“. Das ist alles. Es handelt sich vielmehr um ein klassisches Aufbauspiel: Kaufen von Produktionsstätten, Produktion, Handel, Veredelung und Umsetzen in Siegpunkte in Form von Gebäuden. Und wie schon bei der Familienauskopplung „Excelsior“, sollen Ereigniskarten („Konjunktur“) und Zusatzaktionen auf den Gebäudekarten das Thema in Textform herüberbringen. Kann man machen. Entweder einfach nur altmodisch (kennt noch jemand das „Bürokratenspiel“ von Kishon?) oder vielleicht ein bisschen naiv. Aber man kann ja auch sagen, warum müssen wir immer alle Symbol-Raten spielen 😉 . Kleiner Scherz. Okay. Also, das Spiel selbst spielt sich flüssig, funktioniert und man muss schon gucken, worauf man so spielt. Die Ereignisse sind zum Teil sehr stark, man muss also immer brav lesen, was nächste Runde kommt, sonst haut einem das ganz schön in die Kerbe. Zum Ende hin war es durchaus spannend, wer das Rennen macht. Spielzeit zu zweit 75 min. Endergebnis 36 zu 39. Fast ein bisschen zu nah. Im Endergebnis keine Zeitverschwendung. Man merkt allerdings an allen Ecken und Enden, dass es den Autoren an Erfahrung fehlt. Das Spiel ist auch deutlich abstrakter und dafür weniger komplex als die Autoren selbst denken. Die beiden sind aber mit viel Mut und Herz dabei und das ist respektabel. Die BRETTSPIELERIN wünscht in diesem Sinne viel Erfolg bei der Verlagssuche.

Da ich jetzt schon so viel erzählt habe, hier noch ein paar kurze Statements:

Solaris von Queen: Grundidee des „Energieverschiebens“ zwischen ringförmig angeordneten Stationen ist gut, aber spielt sich zäh und wirkt dann irgendwie doch beliebig.

Yokohama von dlp: Aufbau erinnert stark an Palais Royal. Leider total aufgebläht. Nichts für die BRETTSPIELERIN.

Deutsche Ausgabe von Scythe, Feuerland: Vor Ort nicht gespielt und für 75 Euro trotz Kribbeln in den Fingern stehen lassen. Obwohl ich die Mischung aus Mechs, sonstigem Kriegsgerät und ländlicher Idylle total gelungen finde (Kühe!). Der Hype ist schon berechtigt.

Gesamtfazit (auch aus Gesprächen mit Freunden gezogen): Die Hoffnungen auf neue Highlights ruhen nun echt auf Essen… .

Kurzer Wahnsinnsbericht

Der Wahnsinn in Herne hat mal wieder ein Ende und es war an Intensität wohl kaum zu überbieten. Wer in kurzer Zeit, mit kurzen Wegen (man könnte natürlich auch sagen auf kleinem Raum) möglichst viel Ausprobieren möchte, ist in Herne sicher gut aufgehoben, nur dass er jetzt erstmal wieder ein Jahr warten muss. Naja. 10 Spiele und mehr an einem Tag sollen machbar gewesen sein, also nicht nur anspielen, sondern durch. Zumindest bei denen, wo sich das lohnt und wenn man nicht gerade prototypisch auf „Solarius Mission“ von Mike und ode. war. Für letztere musste man schon ein paar Stündchen einplanen. Dank der Bemühungen eines lieben Freundes (*wink*) konnte die BRETTSPIELERIN diesem längeren Vergnügen sogar beiwohnen. Kurz gesagt –soll ja ein kurzer Bericht werden- man ist definitiv nicht unterfordert. Schön. Und man wird von Möglichkeiten, Siegpunkte zu generieren überschwemmt. Die Zielgruppe der Vielspieler wird sozusagen mitten ins Spielerherz getroffen und muss sich entscheiden, ob zuerst einer von vier Würfeln aufgewertet oder das Tableau freigeschaufelt wird oder eine Raumstation mit permanenter Wirkung erbaut wird oder man eine Mission erfüllt oder […] und mit seinem Raumschiff fliegen kann man auch noch, um Planeten zu besiedeln, Stationen zu bauen und so weiter. Viele kleine Details sind zu beachten. Das muss man schon mögen. Und lange Anleitungen auch.

Apropos „ins Herz getroffen“: Spaß machte auch die „Ninja Arena“. Ein sehr ambitioniertes Autorenteam mit handwerklichem Geschick für Würfel-Branding hat sich da präsentiert. Man programmiert eine kleine Ninja-Miniatur (klar, kann man hübsch bemalen, wenn man es kann) mittels Aktionswürfeln und lässt sie durch die mit Hindernissen bestückte Arena laufen und springen, Wurfsterne schleudern und mit dem Schwert fuchteln. Verplant man sich, rennt man in den Gegner rein, holt sich dadurch einen Schaden, wirft seinen Wurfstern ins Nirvana oder haut einen der armen Holzklötzchen zu Brei (also nicht in echt natürlich). Mit ein bisschen Fantasie macht das gleich doppelt so viel Spaß.

Als Absacker oder Aufwärmspielchen, z. B., wenn man auf den Pizzaservice wartet und noch irgendwas ’ne halbe Stunde spielen „muss“, ist Buttons richtig gut geeignet. Würfeln, Knöpfchen aufs Tableau legen, eventuell eine Kombination vom Mitspieler übernehmen und rechtzeitig aufhören zu würfeln, denn wenn man kein Knöpfchen mehr legen kann, verliert man alles, was man sich in der Runde vorgeknöpft hat. Der Spannungsbogen wird durch den immer enger werden Raum auf dem eigenen Tableau wunderbar straff gespannt bis dann doch einer, mit ein bisschen Glück natürlich, den Sieg davonträgt. Bing Bong, Pizza ist fertig.

Zu den Flops verweise ich mal auf diesen Link.

Ein weiterer Flop war übrigens der Kartoffelsalat, weshalb sich die BRETTSPIELERIN in Herne in Zukunft nur noch von Mitgebrachtem und den wirklich leckeren Waffeln ernähren wird.

Was so hängenbleibt nach zwei Monaten…

Wisst ihr was, wenn man so lange nichts geschrieben hat, dann erinnert man sich nur noch an die wesentlichen Dinge. So zum Beispiel an ein Highlight des Herner Spielewahnsinns: La Granja. Ende Juli soll es wohl verfügbar sein. Es spielt sich sehr flüssig und das Planen macht definitv Spaß. Das ist das, was bei der BRETTSPIELERIN nach etwa zwei Monaten hängengeblieben ist 😉 . Und natürlich die Eselchen. Bei Spielen mit Mallorca-Thema immer ein beliebtes Element ist ja der Lastenesel. Und was dem einen sein „Huhni“, ist der BRETTSPIELERIN ihr kleiner Stoff-Esel mit dem sehr treffenden Namen „Esel“. Originell, oder? Der Esel ist aufgrund von Verschleißerscheinungen leider nicht mehr so fotogen wie Huhni und sein Wortschatz beschränkt sich nur auf „Iiiii-Aaaaahhhh“. Trotzdem gibt es für La Granja einen Extra-Esel-Bonuspunkt! Okay, was ist noch hängengeblieben? Sultaniya von Asmodee. Sehr hübsch, sehr schönes Legespiel, wenn man erstmal begriffen hat, was wie zusammenpasst und Punkte bringt. Also, wie gesagt, sehr, sehr hübsch! Und natürlich Splendor. Das ist ja mittlerweile durch seine Nominierung zum SdJ in aller Munde. Beim ersten Mal Spielen dachte die BRETTSPIELERIN, „man, das ist ja so simpel, warum ist da nicht mal früher jemand darauf gekommen?“ Der Reiz des Einfachen mal wieder. Und klar, so superneu ist das ja alles nicht, aber auf die Kombi kommt es halt an.

Gut, was ist in den letzten Wochen noch so passiert? Ach ja, Fußball-WM!!! Der „was-mach-ich-nur-ohne Fußall-am-Abend?“-Effekt ist bereits eingetreten wie man hier schwarz auf weiß lesen kann. Jetzt wird Deutschland heute noch Weltmeister und alles ist gut! Und selbst die BRETTSPIELERIN kann sich mal wieder um ihr ureigenstes Lieblingsthema, nämlich Spielen, kümmern. Zumindest das Kinderspiel des Jahres konnte sie neulich im Spielekreis mal testen: das kooperative „Geister, Geister! Schatzsuchmeister„. Die erste Runde war zu Beginn von einigen Regelirritationen geprägt. Die kleingedruckte und für ein Kinderspiel recht umfangreiche Regel machte es auch nicht einfach, diese schnell zu beheben. Der Spielekreis ist bei der ersten Partie dann desaströs gescheitert (wie es sich für ein „richtiges“ Kooperatives gehört). Okay, war auch die Fortgeschrittenenversion…und doch, dann ist ein wenig der Ehrgeiz aufgekeimt. Und so bemühte sich der Spielekreis, ein wenig atmosphärischer und kommunikativer an die Sache heranzugehen und dann hatte die Runde die Geister im Griff. Die Mechansimen der Geisterverbreitung und des Schätzebergens fühlen sich sehr an wie die Feuersbrunst und das Bewohnerretten beim Fire Rescue, aber okay. Geschenkt. Die BRETTSPIELERIN hat jetzt auch keine große Lust darüber zu philosophieren, ob es ein würdiges und altersgerechtes Kinderspiel des Jahres ist. Mache sich jeder sein eigenes Bild…spielbar ist es auf jeden Fall.