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Spielemechanismen, z. Bsp. Worker Placement, Deduktion, Karten-, Würfelmechanismen etc.

Kleiner Leitfaden für die Messe

Schon fertig mit der Messe-Vorbereitung? Die BRETTSPIELERIN war dieses Jahr so, naja, mittelfleißig, hat diverse Video-Blogs (mit mehr oder weniger gekonnter Rhetorik…aber Respekt allen, die sich quatschend vor die Kamera stellen…ist oft auch echt amüsant) und Listen durchgeguckt. Immerhin. Ein paar Trends sind hängengeblieben. Hier ein kleiner Leitfaden für die Suche nach dem persönlichen, ultimativen Lieblingsspiel auf der Messe:

Der angeblich allerheißeste Trend: Unique. Also, einzigartig. Jedes Spiel ist dann vom Material irgendwie unterschiedlich. Für eine BRETTSPIELERIN, die noch nicht mal ertragen kann, nicht alle Ligretto-Farben zu besitzen, ist das hart; bei Fische Fluppen Frikadellen immerhin 2 von 3, naja; bitte schon mal jeweils eine Palette von den neuen Unique Games zurücklegen!? Nee, nur Spaß. Unique reizt mich null, Freunde!

Neuester Themen-Trend: Tod – Sterben – …ernsthafte Themen halt. Ist mal was anderes, auf jeden Fall. Puh, ja, der Tod gehört bekanntlich zum Leben dazu. Und das ganze Leben ist ein Spiel. Mmh, vielleicht trotzdem lieber Retro-Space-Pixel-Gedöns? Oder irgendein historischer Kontext?

Kompetitiv oder kooperativ? Oder ein Semi-Koop? Wie wärs mit komperativ oder doch lieber koopetitiv? Vielleicht hat ein Autor schon ein 60 zu 40 Koop erfunden oder ein 90 zu 10 Jeder-gegen-jeden. Überrascht mich… .

Worker Placement oder Würfel Placement, sorry, I mean, Dice Placement. Man kann eigentlich alles platzieren, oder? Aber achtet darauf, dass das, was ihr platziert, dann auch brav seine Arbeit verrichtet oder irgendeine vielsagende Action aktiviert.

Deckbuilding? Bagbuilding? Mischen oder Grabbeln – das ist hier die Frage! Immer spannend irgendwie.

Area Control? Du entdeckst eine Landkarte auf einem Spielbrett? Dann stelle diese wichtige Frage. Könnte ja auch nur Deko sein.

Apropos Deko. Graphik ist superwichtig. Häßliche Spiele will einfach keiner haben, wobei da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sein können. Aber gerade in unserer digitalen Welt ist mittlerweile die Haptik das A und O! Wenn mir die Haptik egal wäre, könnte ich auch online spielen, oder?

Interaktion? Wie sieht es damit aus? Handelt es sich um ein Mehrpersonen-Solospiel oder um ein fieses Sabotage-Duell? Oder irgendwas dazwischen mit Handel und so… .

Wie sieht es mit der Verknüpfung zwischen klassischem Brettspiel und digitalen oder virtuellen Elementen aus? Brauch ich eine spezielle App zum Spiel, vielleicht eine VR-Brille oder muss ich einfach was googlen?

Wird das auf Kickstarter gebackt? Ähm, muss das nicht eigentlich „gebacken“ heissen?

Euro Game oder Ami Trash? Das klassische German Boardgame ist sowas von in Europa angekommen. So sei es. Aber wer sich Kloppen will, sollte die Augen nach den amerikanischen Fabrikaten auswerfen, also, bildlich gesprochen.

Mehrheiten-Spiel. Mal auf deutsch der Begriff. Braucht man einen Mechanismus, um effektiv Siegpunkte zu verteilen, dann ist der Kampf um Mehrheiten immer eine Option. Leider manchmal eine langweilige, zumindest, wenn das Mehrheiteln das zentrale Element ist.

Die BRETTSPIELERIN wird also nach einem kompetitiven Dice Placement Euro Game mit Bagbuilding-Element und nicht ganz todernstem Thema, möglichst ohne dominierende Mehrheiten-Regularien und ohne zu viel Area-Control, dafür aber mit toller Graphik und überragender Haptik (gern Holz) suchen, das natürlich für 2 bis 6 Spieler (ohne gemeine Ärger-Interaktion) gleichermaßen gut geeignet ist. Einzigartig muss es nicht sein, aber digitale Elemente in einer App wären cool. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass ich so ein Spiel erst mal backen müsste.

Jäger und Sammler oder „Wie geht das mit dem Ressourcenmanagment?“

Ein nicht selten vorkommendes Element in Brettspielen ist ja das Einsammeln von Rohstoffen und deren anschließende Umsetzung in nützliche Bauwerke, helfende „Berater“ oder sonstige Verbesserungen. Die BRETTSPIELERIN hat dabei immer ein Problem: Sobald sie über Rohstoffe verfügt, gibt sie sie sofort aus und steht dann mit leeren Händen da. Während sich bei den Mitspielern die Rohstoffe stapeln, schaut die BRETTSPIELERIN nur auf die leere Tischplatte oder das leere Spielertableau (da kann man dann das ein oder andere Detail in der Grafik erkennen, ist doch auch etwas, oder?…und huch, was ist denn das für ’ne Macke im Holz…die war doch letztens noch nicht da!?). Wie dem auch sei, es fühlt sich nicht schön an, immer nur Mangel zu verwalten, aber selber Schuld halt. Warum spart die BRETTSPIELERIN nicht mal etwas an, um sich dann mal ein tolleres, viel besseres, Gebäude zu kaufen? Tja, was man hat, das hat man und bei einem Aufbauspiel ist es ja oft besser, den Aufbau schnell in Gang zu setzen, um sich dann gegenüber den Mitspielern von Anfang an einen Vorteil zu erspielen. Nur die dicken Fründe, die entgehen einem dann später, oder? Spielerisch ist es natürlich auch leichter. Es erfordert weniger Vorplanung, weniger Entscheidungen und man kann leichter Optimieren, da oft keine ungenutzten „Reste“ bleiben. Logisch, wenn man alles ausgibt. Andererseits belohnen viele Spiele das Sparen mit besonders effektiven Verlockungen mit überdurchschnittlich guter Quote z.B. an Siegpunkten pro Ressource. Da heißt es dann sparen, planen, noch mehr sparen. Nein, das liegt der BRETTSPIELERIN nicht. Immer raus damit! Nur im wahren Leben muss man sich natürlich hüten, sofort das Konto leer zu machen, aber das ist ja in der Regel auch nicht so effektiv wie in einem regulären Aufbauspiel, da man das Geld meist für, naja, wenig notwendige Dinge wie, öh, überzählige Spiele ausgibt. Es sei denn natürlich, man bekommt Mengenrabatt oder so. Ach, blödes Beispiel. Die BRETTSPIELERIN versucht demnächst einfach mal wieder diszipliniert zu spielen und fein zu sparen. Erfolg ungewiss.

Vorbei…leider :-(

Kaum hat sie angefangen, da ist sie auch schon wieder vorbei die Messe. Wenn mal eine Arbeitswoche so schnell rumgehen würde (und die hat ja in der Regel einen Tag mehr)! Ja, Zeit für ein Fazit. Also, es war TOLL und viel besser als von der (zugegeben stets überpessimistischen) BRETTSPIELERIN erwartet. Auch das Toilettenproblem hat sie einigermaßen in den Griff bekommen: einfach buntes Bändchen am Ausgang geben lassen und die große Sanitäranlage im Foyer des West-Eingangs nutzen. Da war dann die Schlange erträglich bzw. gar nicht vorhanden. Aber kommen wir zum Spielerischen. Wie von der BRETTSPIELERIN bereits im Mai großspurig versprochen, war es eine super Messe mit ganz großartigen Neuerscheinungen. Wer da anders denkt, möge sich bitte JETZT lautstark melden *lausch*.

Etwas sticht einem quasi ins Auge: der Deckbau lebt und wird immer wieder neu erfunden. Ein Trend, der sich also ungebrochen fortsetzt. Er setzt sich nun als weiteres Element in Brettspielen durch und macht die „neuen“ Spiele noch variabler. So zum Beispiel beim im letzten Artikel erwähnten Rokoko. Der Deckbau ergänzt dabei das allseits bekannte Sammeln von Rohstoffen, Umsetzen in Punkte und Generierung von Mehrheiten. Bei Concordia ist der Deckbau von zentralerer Bedeutung, kombiniert mit Ausbreitung auf einer Landkarte und dem Rohstoffsammeln/Bauen-Motiv. Lewis und Clark verbindet Deckbau (oder wie es so schön heisst „Handbau“) mit einem Wettrennthema. Ganz nah am „klassischen“ Deckbau (ja, Deckbau ist jetzt schon ein Klassiker) ist Trains. Die Dominion-Grundstruktur ist weitgehend erhalten, wird aber ergänzt durch ein thematisch stimmiges Landkartenausbreitungs-Szenario mit Eisenbahnflair. Irgendwie hat die BRETTSPIELERIN das Gefühl, da kommt die nächsten Jahre noch einiges nach. Ein Dauerbrenner sind ja auch die Workerplacements und zu Recht, denn nicht nur die BRETTSPIELERIN liebt dieses Genre. Eines der Top-Spiele der Messe ist eben ein Workerplacement: Russian RailRoads. Und nicht zu vergessen, das wirklich gelungene Glück auf! Ein ganz feines, reines Spiel dieser Kategorie.

Schaut man in die Ranglisten, fällt einem noch ein kleines Spielchen auf, was es in die Top 10 geschafft hat: Ugo. Nicht nur ein Kartenspiel, nein ein ordinäres Stichspiel. Schön, dass man auch damit noch ein wenig Aufsehen erregen kann. Es lebe das Stichspiel! Es lebe das Workerplacement und ja, es lebe das Deckbuilding! Was werden unsere klugen Erfinderköpfe wohl noch an neuen Mechansimen austüfteln in den nächsten Jahren? Wir werden es sehen, mit Sicherheit auf der Messe!