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Messe Essen 2018 – Die Ausbeute

Zur Messenachbereitung kann die BRETTSPIELERIN einen freien Tag, einen Spaziergang an der frischen Luft und eine Thai-Entspannungsmassage empfehlen. Ansonsten gibt es natürlich noch andere Dinge am Tag danach zu erledigen, nämlich die Ausbeute hübsch anrichten und fotografieren, im Kopf kurz die gerundeten Einzelpreise zusammenrechnen und feststellen: Oh, DIESMAL haben wir aber viel gekauft! Und tatsächlich sind auf der Messe wieder echte Schnäppchen zu machen oder zumindest Spiele zu einem reellen Preis zu erwerben, aber ohne lästige Wartezeiten durch den Versand,… Continue reading »

Kleiner Leitfaden für die Messe

Schon fertig mit der Messe-Vorbereitung? Die BRETTSPIELERIN war dieses Jahr so, naja, mittelfleißig, hat diverse Video-Blogs (mit mehr oder weniger gekonnter Rhetorik…aber Respekt allen, die sich quatschend vor die Kamera stellen…ist oft auch echt amüsant) und Listen durchgeguckt. Immerhin. Ein paar Trends sind hängengeblieben. Hier ein kleiner Leitfaden für die Suche nach dem persönlichen, ultimativen Lieblingsspiel auf der Messe:

Der angeblich allerheißeste Trend: Unique. Also, einzigartig. Jedes Spiel ist dann vom Material irgendwie unterschiedlich. Für eine BRETTSPIELERIN, die noch nicht mal ertragen kann, nicht alle Ligretto-Farben zu besitzen, ist das hart; bei Fische Fluppen Frikadellen immerhin 2 von 3, naja; bitte schon mal jeweils eine Palette von den neuen Unique Games zurücklegen!? Nee, nur Spaß. Unique reizt mich null, Freunde!

Neuester Themen-Trend: Tod – Sterben – …ernsthafte Themen halt. Ist mal was anderes, auf jeden Fall. Puh, ja, der Tod gehört bekanntlich zum Leben dazu. Und das ganze Leben ist ein Spiel. Mmh, vielleicht trotzdem lieber Retro-Space-Pixel-Gedöns? Oder irgendein historischer Kontext?

Kompetitiv oder kooperativ? Oder ein Semi-Koop? Wie wärs mit komperativ oder doch lieber koopetitiv? Vielleicht hat ein Autor schon ein 60 zu 40 Koop erfunden oder ein 90 zu 10 Jeder-gegen-jeden. Überrascht mich… .

Worker Placement oder Würfel Placement, sorry, I mean, Dice Placement. Man kann eigentlich alles platzieren, oder? Aber achtet darauf, dass das, was ihr platziert, dann auch brav seine Arbeit verrichtet oder irgendeine vielsagende Action aktiviert.

Deckbuilding? Bagbuilding? Mischen oder Grabbeln – das ist hier die Frage! Immer spannend irgendwie.

Area Control? Du entdeckst eine Landkarte auf einem Spielbrett? Dann stelle diese wichtige Frage. Könnte ja auch nur Deko sein.

Apropos Deko. Graphik ist superwichtig. Häßliche Spiele will einfach keiner haben, wobei da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sein können. Aber gerade in unserer digitalen Welt ist mittlerweile die Haptik das A und O! Wenn mir die Haptik egal wäre, könnte ich auch online spielen, oder?

Interaktion? Wie sieht es damit aus? Handelt es sich um ein Mehrpersonen-Solospiel oder um ein fieses Sabotage-Duell? Oder irgendwas dazwischen mit Handel und so… .

Wie sieht es mit der Verknüpfung zwischen klassischem Brettspiel und digitalen oder virtuellen Elementen aus? Brauch ich eine spezielle App zum Spiel, vielleicht eine VR-Brille oder muss ich einfach was googlen?

Wird das auf Kickstarter gebackt? Ähm, muss das nicht eigentlich „gebacken“ heissen?

Euro Game oder Ami Trash? Das klassische German Boardgame ist sowas von in Europa angekommen. So sei es. Aber wer sich Kloppen will, sollte die Augen nach den amerikanischen Fabrikaten auswerfen, also, bildlich gesprochen.

Mehrheiten-Spiel. Mal auf deutsch der Begriff. Braucht man einen Mechanismus, um effektiv Siegpunkte zu verteilen, dann ist der Kampf um Mehrheiten immer eine Option. Leider manchmal eine langweilige, zumindest, wenn das Mehrheiteln das zentrale Element ist.

Die BRETTSPIELERIN wird also nach einem kompetitiven Dice Placement Euro Game mit Bagbuilding-Element und nicht ganz todernstem Thema, möglichst ohne dominierende Mehrheiten-Regularien und ohne zu viel Area-Control, dafür aber mit toller Graphik und überragender Haptik (gern Holz) suchen, das natürlich für 2 bis 6 Spieler (ohne gemeine Ärger-Interaktion) gleichermaßen gut geeignet ist. Einzigartig muss es nicht sein, aber digitale Elemente in einer App wären cool. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass ich so ein Spiel erst mal backen müsste.

Feinste Deduktion mit Watson & Holmes

Als die BRETTSPIELERIN vor vielen, vielen Jahren zum ersten Mal „Sherlock Holmes Criminal Cabinet“ spielte, war sie begeistert. Zu Recht wurde es zum Spiel des Jahres 1985 gekürt, denn es war damals hochinnovativ und überzeugte durch ein toll durchdachtes Spielmaterial, mit dem man wie Sherlock Tatverdächtige aufspüren und befragen konnte. Allein das „Adressbuch von London“ zu durchstöbern, fand die BRETTSPIELERIN großartig. Das Spiel war in gewisser Weise seiner Zeit weit voraus. Erst in den letzten Jahren erleben Deduktions- und Rätselspiele (ich sach nur Escape-Room-Spiele) einen riesengroßen Boom. Zumindest in englischer Sprache haben die Space Cowboys sich einer Neuauflage unter dem Titel „Sherlock Holmes – Consulting Detective“ angenommen (siehe Interview zur Neuauflage). Wär ja interessant, das auch nochmal auf deutsch neuaufzulegen. Ansonsten ist das alte Criminal Cabinet im Netz ab ca. 40 Euro gebraucht zu haben. Das ist ja echt okay, auch wenn man die Rätsel natürlich nur einmal spielen kann (oder man hat ein sehr schlechtes Langzeitgedächtnis, dann braucht man nur ein paar Jährchen zu warten und schon hat man den doppelten Rätselspaß).
Das Thema „Sherlock Holmes“ ist seit Erscheinen der Erzählungen von Arthur Conan Doyle vor über 100 Jahren wohl unzählige Male nacherzählt, verfilmt und natürlich auch „verspielt“ worden. Seine Aktualität zeigt die erfolgreiche BBC-Serie „Sherlock“, die die Figur in unser Handy- und Internetzeitalter versetzt, was der Faszination des kriminalistischen Genies keinen Abbruch tut. Staffel 4 liegt hier bedauerlicherweise noch ungesehen herum (was für ein Frevel!). Ebenso wie der Spiele-Comic-Krimi „Sherlock Holmes“, herausgegeben vom Pegasus-Verlag. Die Comicversion muss also auch noch getestet werden… .
Aber nun zum eigentlichen Thema, zur absoluten Lieblings-Sherlock-Spielumsetzung der BRETTSPIELERIN: Watson & Holmes von Dr. Jesus Torres Castro. Zurzeit (noch) nur in Englisch erhältlich, wird die deutsche Version sehr bald unter Asmodees Label auf den Markt kommen. Insbesondere für alle, für die Englisch das Verständnis und damit den Spielspaß mindert, ein guter Grund zu warten. Das Erlebnis der stilechten Dialoge und Beschreibungen geht einem dabei natürlich ein Stück weit verloren. Durch die Sprechweise und die Vokabeln der damaligen Zeit sind die Texte allerdings auch eher im oberen Sprachniveau anzusiedeln. Und da es bei dem Spiel auf die Sherlock-Holmes-mäßige Analyse der dargebotenen Informationen ankommt, ist das Verständnis sehr wichtig. Zu empfehlen ist, ein Wörterbuch zur Hand, zum Handy oder zum Tablett zu haben, damit man mal flux was nachschauen kann. Ein Endgerät ist ohnehin nützlich, um zu jedem der 13 Fälle das passende Intro mit Fallbeschreibung abzurufen. Zu diesen Vorleseversionen (mit hübschem Akzent) kann man sich per QR-Code verbinden lassen. Toll gemacht, nur schade, dass die abschließende Auflösung mit Sherlocks Erläuterungen nicht genauso schön vorgetragen wird. Da muss einer aus der Gruppe versuchen, den Text möglichst akzentfrei vorzutragen (frei von deutschem Akzent natürlich). Ansonsten ist das Spiel kompetitiv angelegt, d.h. jeder versucht schnellstmöglich zur vermeintlich richtigen Lösung zu gelangen. Entweder man verzweifelt, weil man nicht den blassesten Schimmer hat, oder man möchte bald lösen und hofft, dass keiner einem zuvor kommt. Spannend ist es allemal. Und wenn sich aus dem Nebel der merkwürdigen Infos plötzlich vor dem geistigen Auge die Lösung herauskristallisiert, das ist ein grandioses Gefühl (also, wenn…). Falls man den Konkurrenzdruck nicht mag, spricht meines Erachtens aber auch nichts dagegen, das Spiel kooperativ oder als Solo anzugehen. Die Geschichten sind auf jeden Fall stimmig und gut erzählt. Einzig der erste Fall, sozusagen das Lernabenteuer, hat für mich einen logischen Fehler, aber ich werd hier nicht spoilern, keine Angst. Lieblingsfall der BRETTSPIELERIN ist übrigens die No 6. Ein Fall, bei dem man sich ausnahmsweise mal keine Notizen machen darf 😉 .