1978

Naaa, gut ins Neue Jahr gekommen? Und Weihnachten eher viel gegessen oder eher viel gespielt (oder gar beides)? Die BRETTSPIELERIN hat bedauerlicherweise ersteres favorisiert, aber jetzt geht wieder der Ernst des Spielens los. Nur, Jahreswechsel machen irgendwie sentimental und daher hat die BRETTSPIELERIN in den Tiefen der Spieleregale gewühlt und sogar etwas gefunden (Dank dem BRETTSPIELER an dieser Stelle für seinen Tipp). Ein ausgeblichener, mittlerweile eher gelblicher als sonnengelber Karton, von einer feinen Staubschicht bedeckt und darauf die Abbildung zweier Tierfiguren. Mmh. Desweiteren geht es wohl um Möhren und Salat, also eher was für Vegetarier…? Aaah, ein Wettrennen. Was kann das wohl sein? Logo, das erste Spiel des Jahres überhaupt: Hase und Igel von David Parlett. Die berühmte Märchen-Verspielung der gleichnamigen Sage. Ein besonders feiner Artikel aus dem Jahre 1978 aus der ZEIT läßt uns gedanklich und emotional zurückspringen in diese spielerisch richtungsweisende Zeit. Die BRETTSPIELERIN spielte noch in ihren Windeln, es gab kein Internet, keine MP3-Player und kein besonders umfangreiches Fernsehprogramm. Hätte das nicht eine Hoch-Zeit des Spielens sein müssen? In der Tat wurden traditionelle Spiele immer gern gespielt, hatte das Spiel immer einen Platz, auch in der „Erwachsenenwelt“, doch der richtige Durchbruch des modernen Spiels war noch nicht gemacht. So schreibt der Autor Tom Werneck, Mitbegründer des Spiel des Jahres im oben erwähnten Artikel: „Meine Spielesammlung umfaßt annähernd 2000 Titel. Sie lassen sich aber alle auf wenige Urväter, auf ein mageres Dutzend von Archetypen, zurückführen. So verfällt man leicht dem Irrglauben, daß alle weiteren Kreationen letztlich doch nichts anderes seien, als geschickt verpackte Aufgüsse längst ausgeknautschter Ur-Ideen.“ Erstmal Respekt…die BRETTSPIELERIN hätte nicht gedacht, dass es 1978 schon 2000 sammelnswerte Spiele gab (die Arroganz der Jugend, jaja…), aber das Gefühl, dass es irgendwie nichts Neues gibt, na, gar nicht geben kann, das kommt einem doch sehr bekannt vor. Aber es gibt immer Meilensteine, ob in der Musik, der Kunst, der Wissenschaft und so eben auch im Spielebereich. Und Hase und Igel war solch ein Meilenstein. Es kommt ohne Würfel und spielerische Kartenelemente aus (die Karten sind ja eher „Geld“), hat eine wirklich fortschrittliche, ansprechende Grafik und leitete eine ganz neue Ära ein, nämlich die des Spiel des Jahres und seiner Erfolgsgeschichte als Türöffner für neue Spiele in die Wohnzimmer von Familien und Spielefreunden. Eine große Leistung dieses Titels, der man die nötige Anerkennung zollen sollte.

Nun ist die Staubschicht von der Schachtel zwar weggewischt, aber die BRETTSPIELERIN wird es trotzdem nicht spielen. Es liegt ihr nicht (Oooooooh? Waaaaaaaaas?). SAKRILEG!!!!!! Ja, vielleicht zu puristisch mathematisch 😉 . Es bleibt beim Museumsbesuch im Spielezimmer, aber mit einem Lächeln auf den Lippen und der Freude, dass die Spielewelt so bunt und vielfältig geworden ist und das nicht zuletzt wegen des spielerischen Wettlaufs zweier Fabeltiere mit der Unverbindlichen Preisempfehlung von DM 29,50.

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