Die Beeinflussung des Würfels

Angeregt durch den Kommentar von Ralf hat sich die BRETTSPIELERIN einmal Gedanken gemacht, ob und wie es möglich ist, den eigenen Würfelwurf zu beeinflussen. Aber nicht etwa durch Schummelei oder sonstige bewusste Manipulation, sondern allein durch…ja, durch was eigentlich?

Gibt es den chronischen „Schlecht-Würfler“? Zumindest gibt es Spieler, denen dieser Ruf anhaftet und jeder kennt jemanden, der „immer“ mies würfelt bzw. solche Glückskinder, die immer das würfeln, was sie brauchen. Nur einfach verzerrte oder selektive Wahrnehmung?

Und wie sieht es mit dem  Aberglauben aus? Nehmen wir mal an, man braucht ganz dringend eine 4 und auf gar keinen Fall eine 1. Bloß nicht vorher sagen: „Bitte keine 1!“ Sondern: „Jetzt eine 4 bitte!“ (Das „bitte“ ist wichtig, etwas Höflichkeit dem Würfelgott gegenüber kann ja nicht schaden). Im letzteren Fall wird der Wunsch natürlich prompt erfüllt oder es ist ein Ergebnis, mit dem man spielerisch noch leben kann. Im ersteren Falle wirft man NATÜRLICH die 1. War doch klar, oder?! Die Frage ist also: Gibt es eine Beeinflussung  des Würfels  -welcher Art auch immer- vor dem Wurf?

Auf der persönlichen Wahrnehmung der BRETTSPIELERIN beruht die Aussage, dass  wenn man sich gut fühlt, also selbstbewusst und siegessicher, einem auch das Würfeln besser gelingt. Unsichere Spieler dagegen scheinen das Pech magisch anzuziehen. Diesbezüglich hat sie als noch kleine BRETTSPIELERIN eine umfangreiche Studie im Selbstversuch durchgeführt. Blöd nur, dass sie damals keine Dokumentation und keine Statistik darüber geführt hat. Sie konnte ja nicht ahnen, dass sie das hätte zwanzig Jahre später noch einmal brauchen können. Sie hat nämlich damals Yatzy gespielt, die Knobel-Variante der längst vergessenen Berliner Spielkartenfabrik (die mit dem Bärensymbol). Hunderte oder tausende Male, einfach auf eine möglichst hohe Punktzahl. War sie deprimiert oder schlecht gelaunt, waren die Scorings -gefühlt- stets schlechter als bei guter Laune oder nach einem schon erfolgreich absolvierten Spiel.

Tja, wie ist das zu erklären? Ist es wirklich nur die falsche Wahrnehmung? Oder geht der Effekt des positiven Denkens so weit, dass er das „Schicksal“ oder das „Glück“ oder was auch immer beeinflussen kann? Sind wir vielleicht unbewusst in der Lage, einen Würfel auf „Ziel“ zu würfeln und gelingt uns das besser, wenn wir uns auch besser fühlen?  Wenn man aus der Hand würfelt, gibt es ja vielleicht sogar Techniken dafür (wie man ihn aufnimmt, wie man ihn in der Hand dreht, wie man ihn abrollen lässt), aber bei  Verwendung eines Würfelbechers oder –turms wird es da schon schwerer. Trotzdem ist es vorstellbar, dass man beim  Einwerfen oder Schütteln beeinflussen kann. Letztlich sind Würfel nur rollende geometrische Körper. Theoretisch sollte ein Würfelwurf (im einfachsten Fall ausgeführt von einer Roboterhand im luftleeren Raum auf eine perfekte Oberfläche und nicht zu vergessen mit einem absolut perfekten Würfel) komplett berechenbar oder modellierbar sein. Die Realität ist allerdings an Komplexität nicht zu überbieten, auch wenn es sich nur um so eine scheinbar simple Sache wie einen Würfelwurf handelt.

Die BRETTSPIELERIN ist selbst verwundert darüber, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema sie so schnell zu den großen Fragen des Seins geführt hat, nämlich: Wo sind die Grenzen der Wissenschaft, wozu sind wir (unbewusst) fähig und wie groß ist der menschlichen Einfluss auf das Glück oder gar das Schicksal und wie viel ist in unserem Leben vorbestimmt?

3 Responses to “Die Beeinflussung des Würfels

  1. Goedzilla

    Meine Güte, so einen Dauermieswürfler kenne ich auch. Der wohnt mit mir zusammen ;-). Er hat tatsächlich immer Pech (zumindest im Spiel!). Allerdings ist er Linkshänder; gibt es da eine Korrelation?!?

  2. Brettspielerin

    Die BRETTSPIELERIN behält sich vor über das Sprichwort „Pech im Spiel, Glück in der Liebe“ irgendwann einmal einen Artikel zu verfassen 🙂 . Ebenso über die Eigenschaften von Linkshändern beim Brettspiel. Freiwillige linkshändige Studienteilnehmer bitte bei der BRETTSPIELERIN melden…

  3. Rort Poyal

    Das ist mal eine interessante Fragestellung. Ich denke auch, wenn man es schafft, den Würfel immer exakt gleich zu halten also bspw mit der selben Zahl nach unten und möglichst immer mit dem gleichen Schwung wirft, so dass die „Bahn“ immer die selbe Länge hat, dann sollte das möglich sein, sein Schicksal zumindest etwas zu beeinflussen.
    Ein gutes Vergleichsbeispiel, weil gerade wieder die Darts-WM läuft: Topspieler sind in der Lage den perfekten Wurf (3x Triple-Zwanzig = 180 Punkte) immer wieder und wieder abzurufen. Und die werfen aus 2,37m Entfernung auf ein kleines ca 30 x 8mm messendes Feld… Dagegen ist Würfeln doch ein Klacks 😉

Comments are closed.