Spielertypen 4: Der Besserwisser

Wer kennt das nicht: ein tolles, neues Spiel, einmal gespielt, vielleicht auch zweimal und man macht sich voll motiviert an die Erklärung heran, um weitere Spieler dafür zu begeistern. Man fragt kurz, wer es schon kennt. Keiner. Gut, dann mal los! So erging es auch der BRETTSPIELERIN. Sie fing an mit der Erläuterung der Grundlagen, als einer aus der Runde plötzlich dazwischenfragte: „Kann man da nicht auch noch als Aktion bauen?“ „Öhm, ja, klar, öh, kann man. Details erklär ich dann später“. Weiter geht’s. „Aber ist das nicht so, dass man da nur 1:2 tauschen kann? – Bekommt man da nicht 5 Geld anstatt 3? – Darf man das den überhaupt nebeneinander legen? – Ich meine, ich hätte gelesen, dass das ganz anders geht… .“ Aha, so langsam dämmert es der BRETTSPIELERIN, dass ihr dort ein Profi gegenübersitzt. Sie wirf ein: „Hattest du nicht gesagt, du kennst das Spiel nicht?“ Dieser Profi ist aber ein bescheidener Typ und gibt an, die Spielregel „nur mal überflogen“ zu haben. Nun, Ehre, wem Ehre gebührt, aber wieso erklärt dieser Besserwisser nicht das Spiel, wo er die Regel doch quasi auswendig kennt? Die BRETTSPIELERIN braucht wohl nicht zu erwähnen, dass sich Beispiele für Besserwisserei in Regelfragen zu dutzenden beschreiben ließen. Gut nur, dass der Blick in die Regel so manchem Besserwisser den Wind aus den Segeln nehmen kann. Wird er denn seinem Namen gerecht und weiss tatsächlich alles besser, so ist das natürlich trotzdem nervig. Wer kann schon den selbstgerechten Blick ertragen?

Ein anderes Szenario spielt sich bei der Beurteilung von Spielzügen ab. Da macht die BRETTSPIELERIN ganz unbedarft einen ganz einfachen, kleinen Zug und schon meldet sich der Besserwisser, dass er im Soundso-Forum oder in der Zeitschrift XY gelesen habe, dass diese Strategie total unsinnig sei. Die BRETTSPIELERIN überdenkt kurz ihren Zug. Strategie? Welche Strategie? Ja, dann kommt sie sich einen ganz kurzen Moment lang blöd vor, um sich dann sofort wieder zu fangen und sich an die Besserwisser-Entlarvung zu machen. „Tja, das ist die neue Invasions-Strategie. Noch nicht davon gehört?“ Leider ist die BRETTSPIELERIN nicht immer so schlagfertig und dann erreicht der Besserwisser genau das, was er will: alle anderen kommen sich wie Idioten vor wegen ihrer (scheinbaren) Unwissenheit.

Noch schlimmer: der Besserwisser spielt gar nicht mit, macht aber die ganze Zeit kluge Vorschläge, welchen Zug die BRETTSPIELERIN in dieser Situation denn nun zu machen hätte. Selbstverständlich mit detailierter vorheriger Analyse der Spiellage. Die BRETTSPIELERIN würde dann gern sagen: „Hier, mein Freund Besserwisser, bewege meine Steine doch einfach selber. Setz dich doch! – Ich stell mich solange hinter dich und bewundere deine von überlegener Übersicht geprägten, hochcleveren Spielzüge.“ Vielleicht sollte sie das ja wirklich mal sagen. Der Besserwisser würde sie dann wahrscheinlich ganz beleidigt als zickig, miesepetrig und/oder undankbar bezeichnen. Er wollte ja nur helfen (ja, klar). Aber was soll’s!? Ein Risiko, das man wohl eingehen kann.

Viele Fragen jetzt: „Hey, BRETTSPIELERIN, bist du nicht auch manchmal etwas besserwisserisch?“ Darauf kann die BRETTSPIELERIN nur antworten: „Nicht, dass ich wüsste – und…ich weiss alles!“ 😉

One Response to “Spielertypen 4: Der Besserwisser

  1. Rort Poyal

    Grundsätzlich hat die Brettspielerin natürlich Recht ABER hier
    „Wird er denn seinem Namen gerecht und weiss tatsächlich alles besser, so ist das natürlich trotzdem nervig. Wer kann schon den selbstgerechten Blick ertragen?“

    fühle ich mich einfach angesprochen, denn ich kann es nicht leiden, wenn es Pseudo-Besserwisser gibt, die ständig alles falsch spielen, aber denken sie spielen es richtig. Und dann natürlich mit der Begründung kommen:“ Das haben wir aber bisher immer so gespielt.“ Und das mitten im Spiel irgendwann, ohne solchen Murks vorher mal zu kommunizieren. *Gesichtspalme* Umso länger dann diese „Falschregel“-Runde bestand, umso mehr Freunde macht man sich natürlich. Vor allem als Neuer in der Runde. :-). Blöd nur, wenn der Neue das Spiel schon kennt und bisher „leider“ immer richtig gespielt hat… Man ist dann halt der Depp, der die Leute korrigieren muss, weil sich innerlich alles in einem sträubt, das jetzt so mit „deren ‚Regel'“ weiterspielen zu müssen. Sehr unangenehm, wohl für alle Beteiligten. Ein bisschen erkenne ich in solchen (zum Glück seltenen) Momenten dann immer ein wenig den „Sheldon-Effekt“ in mir (Big Bang Theory-Kucker wissen Bescheid) Ist mir aber vollkommen egal, da müssen die anderen (und ich leider auch) durch, denn ich spiele die Spiele gerne original, so wie der Autor sich das mal ausgetüftelt hat. Damit macht man auch nichts falsch, der Spiel-Erfinder ist hier schließlich die maßgebende Instanz. Also quasi Gott 😉
    Nichts gegen Hausregeln oder Varianten, aber das sollte man im Sinne einer harmonischen Spielerunde VORHER festlegen! Ansonsten kann man das alles auch gleich sein lassen. Und stattdessen lieber bspw. bei yucata.de alleine online gegen andere zocken. Da spielen wenigstens alle nach den selben Regeln und daher auf Augenhöhe, und das macht letztendlich dann mehr Spaß als sich rumzustreiten wie was warum so und nicht so… 😉

    PS: Gibts jetzt Punktabzug wegen berechtigter Moralapostelei? ;-P

Comments are closed.