Im Bann von GWT und Escape

Seit der Messe ist die BRETTSPIEL-Familie quasi durchgehend im Griff diverser KiTa-Killerbakterien und -viren. So langsam hat die BRETTSPIELERIN die Übersicht verloren, wer wie oft krank war und was er hatte. Nervig. Trotzdem hat sie sich Mühe gegeben, die ersten Messeeindrücke gebührend zu vertiefen. Gab es auf der Messe noch Zweifel an Great Western Trail (in Kennerkreisen ja nur noch GWT genannt ;-)), so sind diese sowas von verflogen. Vor allem zu zweit ist es wirklich klasse: locker in 90 Minuten durchzuspielen, bleibt übersichtlich und der Wiederspielreiz ist enorm hoch. Jedes Mal anders. Jedes Mal eine Herausforderung, aus den Gegebenheiten das bestmögliche zu machen. Mal reicht es nur für 50 Punkte, mal sind über 90 drin. Mal ein deutlicher Abstand, mal wird erst beim Auszählen klar, wer das Ding gewonnen hat. Sogar ein total spannendes Unentschieden hat die BRETTSPIELERIN in einem Zweier schon geschafft. Dabei sind die Strategien sehr ausgewogen und es ist oft ziemlich nutzlos, sich von vornherein vorzunehmen, eine bestimmte Strategie durchzuziehen, wenn es das Spiel gerade einfach nicht hergibt (Cowboy-Strategie ohne gute Kühe z. B. oder Cowboy-Strategie ohne Cowboys auf dem Arbeitsmarkt, auch irgendwie ungünstig). Ihr merkt schon, die BRETTSPIELERIN mutiert so langsam zu einem richtigen Alexander-Pfister-Fan (nein, keinerlei Verwandt- oder Bekanntschaft, keinerlei Sponsoring oder sonstige Vergünstigung. Alles freiwillig). Redaktionelle Macken sind bei den zahlreichen Testspielen auch nicht zu Tage getreten: Da hat nichts gehakt, alles ist durchdacht – richtig gute Arbeit!
Auch die Escape-Brettspiele wurden wie versprochen von der BRETTSPIELERIN getestet. Zum einen die Kosmos EXIT-Reihe, zum anderen Escape Room von Noris. Die Umsetzung von HCM Kinzel konnte mit seiner Messe-Demo nicht überzeugen und steht daher nicht hier im Regal. Um es kurz zu machen: Beide Escapes sind empfehlenswert, wenn auch mit anderem Ansatz und Spielgefühl. Die Kosmos-Variante schafft es trotz kleiner Schachtel und daher begrenzten Möglichkeiten jedes Mal einen Aha-Effekt hervorzurufen. Das Material ist schön gestaltet, die Rätsel kreativ und zum Teil auch so anspruchsvoll, dass man doch mal zu einem Hinweis greifen muss oder einem die Zeit durch die Finger rinnt. Großes Lob an das Autorenteam Brand an dieser Stelle! Während EXIT hauptsächlich mit Karten und Decodierscheibe operiert, ist das Kernstück von Room Escape von Noris eine batteriebetriebene Plastikbox mit Zeitanzeige, in die man vier Schlüssel einstecken kann. Eine Fanfare bestätigt dann den hoffentlich richtigen Code (ein Möööp den Falschen). Das weitere Material ist auch erstklassig und durch große Raumpläne, auf denen es viel zu entdecken gibt, wird das „Raumgefühl“ eines echten Escapes wirklich gut auf den Tisch übertragen. Die Rätsel sind clever gestaltet. Da gibt es nix zu meckern. Beim Blick auf die Schachtel sucht man aber vergeblich nach dem Namen eines Autors. Lediglich einige Redakteure und der Hinweis auf Identity Games sind aufgeführt. Gut, zugegebenermaßen hat sich die BRETTSPIELERIN bislang nicht wirklich mit diesem Verlag beschäftigt. Die Verlags-Homepage verrät, dass es außer dem Escape noch so Highlights wie „Poopyhead“ gibt, welches ebenfalls von Noris unter dem deutschen Titel „Scheiß drauf!“ vertrieben wird. Inklusive Scheißhaufen-Kopfbänder und Pupskissen. Endlich mal wieder ein besch… Thema! Ebenfalls interessant ein Brettspiel mit „Mouthgard„. Wer es noch nicht wusste, das ist eine Plastikspange, die man sich zwischen Zähne und Lippen in den Mund schiebt. Das Resultat, insbesondere beim Versuch Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, ist irgendwas zwischen lustig und eklig. Die BRETTSPIELERIN tendiert zu Letzterem. Aber die Dinger sind spülmaschinenfest – immerhin! Tja, so ist die digitale Welt heutzutage, da möchte man nur ein wenig seriöse Recherche zu einem Spiel machen und 5 Minuten später sieht man zu wie zwei Männer Melonenmatsch aus dem offenen Mund heraussabbern. Kleiner Tipp vor dem ersten Spiel Mouthgard Challange: Gründlich Zähne putzen!

Messebericht 2016

Um es auf den Punkt zu bringen: Voll war´s. Gerüchteweise soll das mit dem Umstand zusammenhängen, dass fast ganz Deutschland während der Messe Ferien hatte. So oder so, es herrschte morgens Parkchaos und die U-Bahn soll zeitweise abgesperrt gewesen sein. Der Vorteil für die BRETTSPIELERIN: Sie ist so früh losgefahren, dass sie jetzt die Wartezeit im Vorraum bis die Türen endlich aufgehen nutzen kann, um an diesem Blogbeitrag zu feilen.

Gut. Nachdem die BRETTSPIELERIN letztes Jahr Mombasa von Alexander Pfister so gehypt hat, war Great Western Trail natürlich ein Pflichttermin, zumal die Vorschauen vielversprechend klangen. Aber leichter gesagt als getan. Da waren noch einige andere Vielspieler interessiert und die insgesamt sechs Tische immer ratz-fatz voll. Nun kann man mal rechnen: 6 Tische x 4 Personen x 3 Partien pro Tag (vielleicht mit Abbrechern 4) x 4 Tage = 288 (384) mögliche Spieler. Mmh, klingt ja erstmal viel. Am Sonntag mit ordentlich Wartezeit vorm Tisch hat die BRETTSPIELERIN es dann tatsächlich mal geschafft und es inklusive Erklärung in 3 h 15 min durchgespielt. Und dann ging es hin und her: Kaufen ja oder nein? Nach der Erklärung und der ersten Runde erstmal Begeisterung, aber im laufenden Spiel kamen dann Zweifel auf: Ist es nicht doch zu aufgebläht? Ist es doch gegen Ende etwas zu langwierig? Letzlich steht es jetzt bei der BRETTSPIELERIN im Regal, denn sie wollte mal wieder einen abendfüllenden, hirnwindungsanregenden Kracher mit stimmigen Thema und angenehmer Grafik haben. Das passt! Ein Test zu zweit steht noch aus. Da Interaktion eher einen untergeordnete Rolle spielt, sollte das gut klappen. Die BRETTSPIELERIN würde aber empfehlen, zumindest die erste Partie lieber nur zu dritt anzugehen.

Um beim Thema Kaufentscheidung zu bleiben, eines war der BRETTSPIELERIN vor der Messe klar: Ein neues großes Rosenberg-Spiel im Regal muss nicht sein. Aber da hat sie die Rechnung ohne Ein Fest für Odin gemacht. Hat schon beim Anspielen so viel Spaß gemacht und Lust darauf, die ganzen Möglichkeiten des Spiels zu ergründen, dass es gekauft werden musste. Enttäuschend nur, dass bei dem vielgerühmten Gewicht von 3 kg Material ausgerechnet der Abrechnungsblock besonders schmal ausgefallen ist. Auf dem Blöckchen sind nur 10 Blätter. Ob man das einfach nicht öfter spielen soll? Klar, kann man sich da was downloaden, aber echt, ausgerechnet daran zu sparen… .

First Class wurde der BRETTSPIELERIN im Vorfeld als „Russian Railroads light“ angepriesen. Das ist nicht ganz falsch, aber wie meist bei Karten- oder Würfelspielen zu einem bekannten Brettspiel(thema), hat es einen ganz eigenen Charakter. Kurz gesagt: Die Konkurrenz ist groß, wenn man aus der Auswahl an ausliegenden Karten die drei lohnenswertesten für sich herausfischen muss. Und wenn einem dann auch noch die Prämie für den ersten Platz beim Erreichen des Endes der fertig gelegten Strecke weggeschnappt wird, das kann schon weh tun. Wer seine Strategie in Ruhe und konsequent (jaja…) durchziehen kann, der hat große Chancen zu gewinnen. Rundum auf jeden Fall eine würdige Anlehnung an den großen Bruder Russian Railroads mit zu Recht großem Andrang an den Tischen.

Dass es bei Queen Games ein NICHT-Familienspiel geben soll, hat die BRETTSPIELERIN neugierig gemacht und so hat sie Armageddon ausprobiert. Wie der Name schon sagt, sieht es mit der Welt düster aus und die Überlebenden müssen sich durchschlagen und Angriffen erwehren. Der Hauptmechanismus ist aber ein Bietgefecht. Tja, das mag man oder man mag es halt nicht (die BRETTSPIELERIN gehört zur letzten Kategorie). Der Startspieler beim Bieten ist der mit den meisten Siegpunkten, danach geht es im Uhrzeigersinn weiter. Das ist leider ziemlich unfair, da bei gleichem Gebot immer derjenige gewinnt, der zuerst geboten hat. Sitzt man recht vom Startspieler, also „hinten“, ist man deshalb benachteiligt. Konsequenterweise müsste man dann alles nach Siegpunkten durchziehen (zu kompliziert?). Andererseite ist der letzte ohnehin gekniffen. Macht man am Anfang einen Fehler (ist beim ersten Spiel ja nicht so ganz ungewöhlich), hat man nicht mehr die geringste Chance wieder auf einen grünen Zweig zu kommen. Je tiefer man in der Sch… steckt, desto geringer die Chance wieder herauszukommen, da man Schäden anhäuft, die einem wiederum schaden usw. Aber probiert es mal selber aus!

Die BRETTSPIELERIN surft auch noch weiter auf der Escape-Welle. So ist interessant wie die Verlage insbesondere das Problem eines universellen „Schlosses“ zur Eingabe der errätselten Codes umgesetzt haben. Während Kosmos und HCM Kinzel auf mehrlagige Drehscheiben setzen, hat sich Noris bei Escape Room etwas besonderes ausgedacht: Eine batteriebetriebene Code-Decoder-Box aus Kunststoff. Das Ding ist multifunktional, mit Lautsprecher, Zeitanzeige, Startknopf, Lineal und Dekodierungsschemata auf den Außenseiten. Der Code wird mittels auf der Oberseite einzusteckenden Plastikschlüsseln eingegeben. Da hat sich doch mal jemand Mühe gegeben! Bleibt nur abzuwarten, ob die Rätsel auch was taugen. Test folgt.

Das soll erstmal genügen an Messeeindrücken. Bei der Masse an Verlagen und Spielen kann man einfach nicht alle Highlights erfassen, geschweige denn ein Statement dazu abgeben. Da schwimmt eine BRETTSPIELERIN auch einfach im Mainstream mit. Apropos Schwimmen: Captain Sonar sei kurz noch erwähnt: Schiffe-Versenken im Echtzeit-Team-Modus. Ganz großes Kino!

 

Immer noch im Rätselfieber!

Der ein oder andere von euch hat ja vor Kurzem das Exit-Spiel-Event von Kosmos am Rechner oder Tablett mitgespielt. Eine gelungene Promoaktion trotz Serverproblemen. Leider hat die BRETTSPIELERIN keine Karten für die Messe gewonnen, aber hat wirklich Spaß gemacht, das Rätsel zu lösen. Da kommt es ja nicht so aufs Gewinnen an 😉 . Außerdem war sie noch gehandicapt, weil der KLEINKIND-BRETTSPIELER unbedingt mitspielen wollte. Das eigens zur Ablenkung zur Verfügung gestellte neue Bilderbuch mit interessanten Fahrzeugen hatte nur etwa 10 Minuten vorgehalten.

Auch real hat sich die BRETTSPIELERIN in Sachen Escape-Rooms weitergebildet. Sollte mal einer von euch Urlaub am Wörthersee machen, ist Kärntens erster und einziger Raum in Klagenfurt zu empfehlen. Sehr liebevoll ausgestattet und mit gut austarierten Rätseln.

Aber das Grundprinzip der Rätselspiele im realen Leben ist ja nicht wirklich neu, nur -zumindest bei der BRETTSPIELERIN- einfach ein wenig in Vergessenheit geraten. Schon vor, öööhm, etwa 20 Jahren hat sie sich meist in Kombination mit Live-Rollenspiel-Elementen Rätselgeschichten bzw. Krimispiele für ihre Gäste ausgedacht. Jetzt im Zuge der Exit-Welle hat die BRETTSPIEL-Familie noch einmal einen Versuch gestartet. Es ist gar nicht schwer, ein kleines Szenario an Rätseln zusammenzustellen und meist findet sich eine Basis-Rätselausstattung in jedem Haushalt: Geldcassette, Koffer mit Zahlenschloss, Fahrradschloss, abschließbare Möbel oder Kistchen und unzählige mehr oder weniger schwere Verstecke. Etwas Kreativität und Spaß am Rätsel für andere Ausdenken muss man natürlich haben! Ein paar Dinge sollte man allerdings beachten: Die Rätsel sollten in angemessener Zeit lösbar sein (nicht umsonst sind die meisten Escape-Räume auf 1 Stunde ausgelegt). Sollten die Rätselnden  völlig ins Stocken geraten, sollte man Hinweise vorbereitet haben. Und ein Rätsel sollte auf das andere Folgen. Parallele Stränge verwirren zu sehr und machen das kontrollierte Eingreifen als Hilfe schwer. Überhaupt sollten die Rätsel nicht zu schwer sein (wenn möglich, die einzelnen Aufgaben vorher von einer anderen, neutralen Person testen lassen). Auch wenn es „nur“ ein Spiel ist, die Rätselnden stehen unter Stress. Das kann blockieren und vermeintlich einfache Dinge verkomplizieren, vor allem, wenn die Gruppe auch noch als Team arbeiten muss, um zum Erfolg zu kommen!

Im Zeitalter von Smartphones kann man natürlich auch die modernen Kommunikationsmedien nutzen. Als Start hat die BRETTSPIEL-Familie bei ihrem Event SMS mit dem ersten Hinweis (vor allem, dass es überhaupt ein Spiel gibt 🙂 ) an einige Gäste geschickt. Messenger aller Art können für Hinweise genutzt werden, wenn die Kontaktinfos vorliegen (auch hier ggf. Texte schon vorbereiten). Wer Programmierkenntnisse hat, der kann einfache Websites erstellen, auf denen Codes eingegeben werden können, um den nächsten Hinweis zu erhalten. Das muss grafisch ja nicht aufwendig gestaltet sein. Einen ausgedruckten QR-Code mit der Webadresse kann man überall gut verstecken (QR-Code-Generatoren gibt es als App). Oder man beschreibt einen NFC-Chip. Auch sehr cool. Kann man z.B. in ein Kleidungsstück einnähen.

Den Lohn für die Mühe erhält man dann, wenn die Gäste endlich loslegen. (Achtung! Alle Rätsel, Schlösser etc. vorher nochmal überprüfen! Ist doch zuuu schade, wenn es daran scheitert.) Und glaubt mir, es ist zu komisch, wenn sechs Personen gleichzeitig versuchen, im Gäste-WC einen Hinweis zu finden oder die eine Gruppe versucht, einen Bildercode zu entschlüsseln, während die andere die Antwort vor der Nase hat, nur keiner darauf kommt, mal den anderen über die Schulter zu schauen.

Am Ende sollte es auf jeden Fall eine kleine Belohnung geben. Bei einer Party bietet sich das „Entkommen“ nicht gerade an (so schlecht sind eure Feiern sicher nicht, dass man da fliehen müsste, oder?), aber irgendein kleines Spiel, eine Süßigkeit oder wie in unserem Fall der Zugriff auf Prospekte des ortsansässigen Pizzadienstes sollte man schon zur Verfügung stellen, damit es eine Runde Sache wird.

So, viel Spaß beim Rätsel erstellen oder konsumieren. Die BRETTSPIELERIN ist gespannt, wie das Thema auf der Messe umgesetzt wird und was die neuen Brettspielumsetzung wirklich taugen. Man sieht oder liest sich!